Sex im Knast? Gefangener ließ sich mit inhaftierter Freundin einschließen

Verbotenes Treffen hinter Mauern und Stacheldraht: Ein Inhaftierter der JVA Kassel I ließ sich mit fünf weiblichen Gefangenen in einem Warteraum einschließen. Jetzt wird ermittelt, wie es dazu kommen konnte. Archivfoto:  Koch

Kassel/Kaufungen. Ein Zahnarzt der Justizvollzugsanstalt Kassel I soll nicht schlecht gestaunt haben, als er am Dienstag, 8. Februar, einen Warteraum des Gefängnisses betrat. Dort soll er eine der inhaftierten Frauen beobachtet haben, wie diese Sex mit einem Häftling aus Wehlheiden gehabt hat.

Eigentlich sollten in dem Warteraum nur fünf Frauen sitzen und auf ihre Zahnarzt-Behandlung warten. Neben den Frauen war aber auch ein Häftling aus Wehlheiden in dem Zimmer. Und der soll mit einer der Damen Sex gehabt haben, als der Zahnarzt das Zimmer betrat.

Das ist zumindest eine Version der Zusammenkunft, die sich vor knapp einem Monat in dem Gefängnis in Wehlheiden zugetragen hat. Ob es wirklich zum Geschlechtsverkehr zwischen der inhaftierten Frau und dem Häftling gekommen ist, sei bislang nicht bewiesen, sagt Dr. Hans Liedel, Sprecher im Hessischen Justizministerium. Fest stehe, dass sich der Mann in einem Raum mit fünf Frauen befand. „Und das hätte nicht passieren dürfen“, betont Liedel.

Das Ministerium, das erst durch die Anfrage der HNA von diesem verbotenen Tête-à-Tête hinter Gittern erfahren hat, recherchiert seit Donnerstag, um den Vorfall gemeinsam mit der Anstaltsleitung aufzuklären. Es habe jedoch niemals die Gefahr bestanden, dass die Inhaftierten hätten fliehen können. „Die Sicherheit nach außen war immer gewährleistet.“

Laut Liedel gibt es bislang auch keine Anhaltspunkte dafür, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Nach ersten Recherchen habe eine Zahnarzthelferin den Mann zwischen den Frauen entdeckt. „Zu diesem Zeitpunkt hatten alle ihre Kleider an“, sagt der Sprecher. Zudem sei auch nicht sehr viel Zeit für sexuelle Handlungen gewesen. Der Mann habe sich allerhöchstens zwei Minuten mit den fünf Frauen in dem Raum aufgehalten.

Wie Liedel mitteilte, wurden die fünf Frauen am Freitag zu dem Vorfall vernommen. Nach ihren Angaben hätten keine sexuellen Handlungen stattgefunden. Laut Liedel stehe der Mann aber in Briefkontakt mit einer der Frauen. Nach Informationen der HNA sollen die beiden vor ihrer Inhaftierung ein Paar gewesen sein. Auf welchem Weg auch immer - die beiden müssen sich für den 8. Februar in dem Warteraum verabredet haben, heißt es aus dem Knast.

Wichtigste Frage sei, wie der Mann in den abgeschlossenen Raum gelangen konnte, sagt Liedel. Bislang gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass ein Mitarbeiter der JVA dies durch „eine vorsätzliche Handlung“ ermöglicht habe.

Dem Vernehmen nach soll jedoch ein Justizvollzugsbeamter aus Flügel D, in dem auch die Untersuchungshaft untergebracht ist, den Inhaftierten zu den Frauen in den Raum gelassen haben. Das ist der Knackpunkt für Ministerium und Anstaltsleitung: „Das muss geklärt werden“, sagt Liedel.

Hintergrund JVA I

Die Anstalt Wehlheiden wurde 1873 bis 1882 erbaut. Im Laufe der Jahrzehnte schlossen sich verschiedene Anbauten an. 1938 wurde das sogenannte Bezirkskrankenhaus errichtet. Als Zentralkrankenhaus ist es heute nach wie vor das zentrale Krankenhaus für den gesamten hessischen Justizvollzug.

Das organisatorisch der JVA Kassel I angegliederte Zentralkrankenhaus (ZKH) verfügt über 69 Belegbetten auf vier Stationen. Gefangene aus allen hessischen Justizvollzugsanstalten werden hier für die Dauer ihrer Krankenbehandlung untergebracht. Durch die landesweite Zuständigkeit sind Gefangene aus unterschiedlichsten Vollzugsformen gemeinsam in einer Einrichtung untergebracht: Untersuchungsgefangene, Jugendliche oder Heranwachsende, Männer und Frauen, die selbstverständlich voneinander getrennt einquartiert sind. Zudem werden hier auch Frauen aus dem Frauengefängnis Kaufungen ambulant behandelt.

Seit Januar 2010 gehören die Abteilung des offenen Vollzuges in Baunatal (101 Haftplätze) und die Abteilung in Kaufungen für den geschlossenen Vollzug für Frauen und weibliche Jugendliche (37 Plätze) der JVA Kassel I an. In ihr sitzen knapp 500 Gefangene.

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