Psychologen der Uni untersuchen, wie Menschen mit komplexen Problemen umgehen

Gefühle machen erfolgreich

Elke Döring-Seipel

Kassel. Bei der Auswahl von Führungskräften sollte nicht nur auf Intelligenz und die fachliche Kompetenz geachtet werden. Auch emotionale Kompetenzen sind ein Schlüssel zum Erfolg.

Zu diesen Kompetenzen gehört die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen sowie sich in die Gefühlswelt anderer hineinversetzen zu können.

Psychologen der Uni Kassel haben herausgefunden, dass Menschen, die souverän mit Gefühlen umzugehen wissen, komplexen Aufgabenstellungen besser gewachsen sind.

Prof. Ernst-Dieter Lantermann, Leiter des Fachgebiets Persönlichkeits- und Sozialpsychologie, und Dr. Elke Döring-Seipel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet, beschäftigen sich seit 20 Jahren mit Komplexitätsforschung. Sie untersuchen, wie Menschen mit hochkomplexen Problemen umgehen und welche Strategien dabei Erfolg versprechen.

Dafür haben sie unter anderem Testpersonen am Computer ein Planspiel durchlaufen lassen, bei dem es darum geht, in einem Fantasie-Entwicklungsland bessere Lebensbedingungen zu schaffen. Die Teilnehmer mit hohen emotionalen Kompetenzen haben dabei um 20 bis 30 Prozent bessere Ergebnisse erzielt.

„Bei komplexen Problemen hilft analytische Intelligenz allein nicht weiter“, sagt Lantermann. Auch das klug eingesetzte Gefühl sei wichtig. Und dies gerade dann, wenn die Situation nicht komplett zu überblicken sei, sich rasch fortentwickele und nicht klar definiert sei.

Ernst Lantermann

„Wer in komplexen Problembereichen der Illusion aufsitzt, das Problem allein durch ein Höchstmaß an analytischer Planung zu lösen, wird scheitern“, sagt der Psychologe. Das gelte in der heutigen, sich schnell verändernden Welt mehr als je zuvor. Wer in der Lage sei, die verstandesbetonte, kognitive Ebene mit der emotionalen zu verbinden, treffe bessere Entscheidungen, erklärt Dr. Elke Döring-Seipel. Auf der Gefühlsebene finde eine umfassendere, stärker auf Strukturen und Zusammenhänge gerichtete Informationsverarbeitung statt, die die mehr auf Details gerichtete intellektuelle Analyse ergänze.

In Seminaren für Führungskräfte bieten die Psychologen Trainings für den Umgang mit komplexen Problemen an. Emotionale Kompetenz als wichtige Voraussetzung dafür könne man erlernen, sagt Lantermann. Gerade in technischen Berufsfeldern sei es nicht immer leicht, das zu vermitteln. „Da gilt Emotion häufig als irrational.“

Derzeit überprüfen die Kasseler Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit SMA, inwieweit, neben anderen Fähigkeiten, auch emotionale Kompetenzen einen Beitrag für zuverlässige Prognosen von erfolgreichem Führungsverhalten in komplexen Unternehmensfeldern leisten können.

Von Katja Rudolph

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