Seit dem 26. September

Tramunfälle in Kassel: Fast jeden zweiten Tag ein Unfall

Mit voller Wucht: Dieses Bild entstand bei einem Unfall vor drei Jahren in Oberzwehren. Bei den Unfällen der letzten Tage waren es meist Pkw-Fahrer, die beim Abbiegen oder Wenden mit Trams kollidierten. ARCHIV
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Mit voller Wucht: Dieses Bild entstand bei einem Unfall vor drei Jahren in Oberzwehren. Bei den Unfällen der letzten Tage waren es meist Pkw-Fahrer, die beim Abbiegen oder Wenden mit Trams kollidierten. (Archivbild)

In Kassel haben sich in den vergangenen Wochen gleich sieben Tramunfälle ereignet. Bei drei Unfällen gab es Verletzte. Hat die Zahl der Unfälle zugenommen?

Kassel – Die Zahl der Straßenbahnunfälle hat in Kassel merklich zugenommen. Dieses Gefühl hat man zumindest in den vergangenen Wochen gehabt. Im Schnitt gab es jeden zweiten Tag einen Unfall mit einer Tram.

Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz waren es seit dem 26. September sieben Unfälle, die die Polizei aufgenommen hat. Bei drei dieser Unfälle seien Menschen verletzt worden. Am 1. Oktober ereigneten sich gleich zwei Unfälle in Kassel. Bei einem Unfall am Platz der Deutschen Einheit wurden drei Personen bei einem Zusammenstoß zwischen zwei Autos und einer Straßenbahn verletzt. Am selben Tag wurde in der Oberen Königsstraße ein Fußgänger bei einem Unfall mit einer Straßenbahn schwer verletzt. Nur wenige Tage später wurden am 5. Oktober bei einem Straßenbahnunfall drei Personen verletzt. „Das ist eine Häufung, allerdings gibt es keinen erkennbaren Grund dafür“, sagt der Polizeisprecher. Es könne sich auch um einen Zufall handeln.

Traumunfälle in Kassel: Fast 100 Unfälle in drei Jahren

Alle sieben Unfälle passierten an unterschiedlichen Stellen in der Stadt Kassel, von der Leipziger Straße über das Auestadion bis hin zur Mattenbergstraße.

Ob die Zahl der Unfälle mit Trams in diesem Jahr generell zugenommen hat, das gibt die Statistik, die bislang bis Ende August komplett vorliegt, noch nicht her. In Stadt und Landkreis Kassel haben sich bis zu diesem Zeitpunkt 30 Unfälle (29 in der Stadt, 1 im Landkreis) ereignet, an denen Straßenbahnen beteiligt waren und die polizeilich aufgenommen wurden, so der Polizeisprecher. Im selben Zeitraum im vergangenen Jahr seien 28 Unfälle (26 Stadt/2 Kreis) registriert worden. Im Jahr 2019 lag die Zahl mit 40 Unfällen (36/4) deutlich höher.

Nehme man die Unfälle der vergangenen drei Jahre (jeweils bis Ende August) zusammen, so der Polizeisprecher, komme man zu dem Ergebnis, dass in den meisten der insgesamt 98 Unfälle mit Straßenbahnen die Unfallgegner Pkw (61) waren. Gefolgt von den Fußgängern (23) und Radfahrern (8). Die Hauptunfallursache seien Fehler beim Abbiegen, beim Wenden und das Missachten der Verkehrsregelung von Lichtzeichen gewesen. Und an den meisten Unfällen hätten nicht die Straßenbahnfahrer schuld gehabt, sondern deren Unfallgegner, so Mänz.

Sieben Unfälle seit 26. September

26. September, Ihringshäuser Straße 2, Pkw gegen Straßenbahn, Sachschaden.

29. September, Holländische Straße 88, Lkw gegen Straßenbahn, Sachschaden.

1. Oktober, Platz der Deutschen Einheit, 2 Pkw und eine Straßenbahn beteiligt, drei Verletzte.

1. Oktober, Obere Königsstraße, Fußgänger gegen Straßenbahn, ein Verletzter.

4. Oktober, Am Auestadion, Pkw gegen Straßenbahn, Sachschaden.

5. Oktober, Mattenbergstraße, Pkw gegen Straßenbahn, drei Verletzte.

6. Oktober, Leipziger Straße 240, Pkw gegen Straßenbahn, Sachschaden. (use)

Kassel: 2020 war die Zahl der Straßenbahnunfälle aufgrund von Corona niedriger

Auch wenn es aufgrund einiger schwerer Straßenbahnunfälle in jüngerer Zeit so wahrgenommen wird, dass sich die Zahl der Unfälle deutlich erhöht hat, sei dies bisher nicht signifikant der Fall, so auch die Einschätzung von Heidi Hamdad, Sprecherin der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG). „Nach unserer Auswertung der Straßenbahnunfälle von 2014 bis 2019 blieb die Zahl in engen Schwankungsbreiten relativ konstant.“ 2020 seien die Unfallzahlen coronabedingt durch weniger Fahrgäste und weniger Verkehr deutlich geringer gewesen, in diesem Jahr seien sie mit der Zahl der Fahrgäste und des Pkw- und Lkw-Verkehrs wieder gestiegen. „Ob wir am Jahresende über oder deutlich unter dem Mittel liegen, lässt sich natürlich jetzt noch nicht prognostizieren“, so Hamdad.

Unfälle, gleich welcher Schwere, seien aber immer sehr belastend für Fahrgäste, Zeugen und für alle Mitarbeiter der KVG, vor allem für jene im Fahrdienst, so Hamdad. Aus diesem Grund habe man auch Mitarbeiter in Psychosozialer Erstbetreuung ausgebildet. Mittlerweile habe die KVG etwa 40 Ersthelfer, die nach einem schweren Unfall einem Fahrer zur Seite stehen, den Kollegen später auch nach Hause begleiten und als Ansprechpartnerunterstützen. Möglich sei es für die Ersthelfer auch, den Kriseninterventionsdienst (KID) des DRK Kassel hinzuzuziehen. Die weitere Betreuung erfolge durch die KVG-Betriebsärztin die, falls notwendig, schnell zu spezialisierten Traumatherapeuten überweisen könne. (use)

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