Gegen den Abriss der Lehmbauten an der Kunst-Uni regt sich Widerstand

+
Hängen an den Lehmbauten: Frank Millies (links) und Helmut Hümme haben gestern den Abriss auf dem Gelände neben der Kunsthochschule verfolgt.

Kassel. Die Bagger sind schon zugange, die ersten Lehmbauten auf der Wiese neben der Kunsthochschule sind bereits dem Erdboden gleichgemacht. Mit dem Beginn der Abrissarbeiten vor einigen Tagen hat sich aber Widerstand geregt.

Die Gegner haben mit einer Unterschriftensammlung begonnen. Sie wollen erreichen, dass die Arbeiten kurzfristig abgebrochen werden, um über einen Erhalt der Gebäude zu verhandeln.

Die Uni hingegen will den Abriss der Bauten, die zum Teil noch aus den 1980er-Jahren stammen, bis Ende Mai abgewickelt haben. Sie seien baufällig und teilweise schon eingestürzt. Drei der zwölf Gebäude aus Lehm, die noch standfest seien, sollen aber bleiben.

Die Kunst-Uni im Regiowiki

Offenbar hat der Abriss auch damit zu tun, dass die Kunsthochschule zur documenta etwas auf dem Gelände plant. Ein Sprecher der Kunsthochschule wollte dazu nichts sagen. Es sei noch nichts „spruchreif“.

Die Lehmhäuser, von denen einige mit Kuppel versehen sind und orientalisch wirken, sind in den vergangenen 35 Jahren unter der Regie des Architektur-Professors Gernot Minke entstanden. Der ehemalige Leiter des Forschungslabors für experimentelles Bauen der Uni Kassel, das an der Menzelstraße angesiedelt war, ist seit einigen Jahren emeritiert. Ab 1975 hatte Minke zu Lehmbau geforscht. Bei dem Gelände neben der Kunsthochschule handelt es sich um ein Testfeld, auf dem verschiedene Lehmbauweisen ausprobiert wurden.

Der Kasseler Helmut Hümme ist ein Fan von Minkes Lehmbauten. Als der 53-jährige ehemalige Gesamthochschul-Student zufällig den Abriss mitbekam, hat er spontan mit einer Unterschriftensammlung begonnen. 400 Menschen hätten sich schon beteiligt, sagt Hümme. „Wir hoffen, dass wir das Ruder im letzten Moment noch herumreißen können.“

Hümme hält die Gebäude auch deshalb für erhaltenswert, weil sie „ein Überbleibsel der alten Uni sind“. Mit ihnen werde auch der Geist der Gründungsjahre herausgeworfen.

Einer, dem der Abriss in der Seele wehtut, ist Frank Millies. Er hat fast 40 Jahre als technischer Assistent für Prof. Minke gearbeitet. „Sein Lebenswerk wird mit dem Abriss zerstört“, sagt der 65-Jährige, der seit Kurzem in Rente ist. Er vermutet, dass Minke, der zurzeit auf Forschungsreisen ist, gar nicht weiß, dass die ersten seiner Lehmbauten schon abgerissen sind.

Ein großer Bau mit schwarzer Kuppel, ein großes Lehm- und ein Strohballenhaus sollen zwar erhalten bleiben. Darüber sind Hümme und Millies erleichtert. Dennoch ärgert sie die „Hauruck-Aktion“, mit der die Bauten abgerissen werden. Offenbar sollten Fakten geschaffen werden. Das sieht auch Thomas Kohlrautz vom ÖkoBauzentrum Kassel so. „Das hier ist ein Stück Geschichte“, sagt er mit Blick auf die Lehmbauten. Über einen Erhalt hätte im Vorfeld diskutiert werden müssen.

Von Katja Rudolph

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.