Wirtschaftsforscher erfragen Akzeptanz von grüner Energie 

Aktuelles Projekt in der Region: Eines der neuen Windräder zwischen Bergshausen und Dörnhagen. Foto: Zgoll/ Archiv

Kassel. Biogas, Fotovoltaik, Windenergie – grüne Energie aus der Nachbarschaft liegt im Trend. Auch rund um Kassel wird kräftig in alternative Energien investiert. So entsteht derzeit bei Niestetal und in Söhrewald ein neuer Windpark.

Doch was hält eigentlich die Bevölkerung von direkt vor Ort erzeugtem Ökostrom? Das erforschen jetzt Wissenschaftler vom Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung der Uni Kassel im Rahmen repräsentativer Umfragen.

„Wir möchten wissen, wie hoch in Deutschland Akzeptanz und Nachfrage von regionalem Ökostrom tatsächlich sind“, sagt Claudia Schwirplies, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet. Schließlich sei für den Erfolg der Energiewende die Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen maßgeblich.

„Nur bei einer breiten Akzeptanz durch die Bevölkerung können Handlungsmöglichkeiten genutzt und damit neue Effizienzpotenziale erschlossen werden“, sagt sie.

Mithilfe experimenteller Befragungen wollen die Kasseler Wissenschaftler unter anderem herausfinden, wie viel Geld der Durchschnittsdeutsche für regional erzeugten Strom ausgeben würde. Befragt werden 2014 bundesweit mehr als eintausend Menschen. „Sie werden gebeten, sich hypothetisch für einen Stromtarif aus mehreren Angeboten zu entscheiden“, sagt Claudia Schwirplies.

Die Angebote unterscheiden sich unter anderem in Preis, Laufzeit, Vertragsart, Stromherkunft und Erzeugungsart. „Der Vorteil experimenteller Befragungen besteht darin, dass wir auch Tarifmuster vorlegen können, die es noch gar nicht gibt“, sagt sie. So ermitteln die Wissenschaftler auch Wünsche und Vorlieben, denen auf dem heutigen Markt bislang nicht entsprochen wird. „Wir befragen zwar nur die Nachfrageseite, die Erkenntnisse sind jedoch auch für Anbieter von Bedeutung“, sagt sie.

Effekte für den Arbeitsmarkt

Die Kasseler Forscher interessieren sich ebenso für die Gründe der Teilnehmer. „Ein Argument für regional produzierten Ökostrom könnte beispielsweise Misstrauen gegenüber überregionalen Energieversorgern sein“, sagt Schwirplies. Die Befragten könnten sich auch eine höhere Versorgungssicherheit sowie positive Effekte für den lokalen Arbeitsmarkt versprechen. Genauso gäbe es aber auch zahlreiche Argumente dagegen, zum Beispiel einen höheren Strompreis.

Da allerdings bei früheren Ökostrom-Umfragen des Fachgebiets das Einkommen und die Eigentumsverhältnisse kaum ins Gewicht fielen, rechnet Schwirplies mit Argumenten jenseits der Preisfrage. „Es würde uns überraschen, wenn nicht auch das Verantwortlichkeitsgefühl für den Klimaschutz, die wahrgenommene Effektivität alternativer Energien und das soziale Umfeld eine Rolle spielen würden“, sagt sie.

Die Ergebnisse der Befragung stehen voraussichtlich Ende des kommenden Jahres fest.

Von Sebastian Schaffner

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