25-Jährige Verkäuferin aus Kassel ist seit April Opfer

Verkäuferin als Stalking-Opfer: „Gehe nicht alleine raus“

Unter Beobachtung: Stalker stellen ihren Opfern nach. Sie belästigen sie auf ganz unterschiedliche Weise. Foto: dpa

Kassel. Seit April ist ihr Leben nicht mehr so unbeschwert wie zuvor: Jana N. (Name geändert) arbeitet in einem Textilgeschäft in der Kasseler Innenstadt und wird seit April von einem Stalker verfolgt.

Die 25-jährige Verkäuferin hat den Mann, den sie aus der Schulzeit flüchtig kennt, bereits mehrfach angezeigt. Auch hat sie vor Gericht eine Verfügung erwirkt, nach der ihr der Mann nicht näher als 50 Meter kommen darf. All das half wenig. Sie wird weiter belästigt und traut sich nicht mehr allein in die Öffentlichkeit.

Jana N. berichtet: Zehn Jahre lang hatte sie den Mann nicht gesehen. Dann stand er plötzlich vor dem Geschäft, in dem sie arbeitet. Er beobachtete die junge Frau durch das Schaufenster – fast jeden Tag. Schließlich kam er auch in den Laden und suchte den Kontakt. „Der war mehrere Monate fast täglich hier. Auch nachdem mein Chef ihm Hausverbot erteilt hatte“, sagt die Kasselerin.

Beschimpfungen vor Kunden

Die Lage eskalierte, als die Verkäuferin den entfernten Bekannten anzeigte. Der Mann begann, sich Geschichten auszudenken. „Einmal kam er ins Geschäft und brüllte, ich würde im Internet unter Pseudonym als Prostituierte arbeiten. Er behauptete, ich sei eine Ex-Geliebte von ihm und ich bräuchte mir nicht einzubilden, dass er wieder zu mir zurückkommen würde.“

Mehrfach war die junge Frau bei der Polizei gewesen und hatte die Vorfälle angezeigt. Vor dem Gericht erwirkte sie schließlich eine Verfügung gegen den Mann. Als dieser dagegen verstieß, indem er sich ihr weiterhin näherte, bekam er eine Strafe von 1000 Euro. „So weit ich weiß, ist er arbeitslos. Ich glaube kaum, dass er das Geld hat.“

Stalker drohte mehrfach

Eine Zeit lang habe der Mann aufgehört, ihr nachzustellen, sagt die 25-Jährige. Aber jetzt habe er wieder damit begonnen. Zuletzt sei er vergangenes Wochenende in das Textilgeschäft gekommen. Ihr Arbeitsplatz sei inzwischen extra verlegt worden, damit der Täter sie nicht ohne Weiteres finden könne, erklärt das Stalking-Opfer.

Mehrfach habe ihr Verfolger schon gedroht, sie solle die Anzeigen zurückziehen. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich gehe nicht mehr alleine raus, fahre nur in Begleitung mit der Straßenbahn und muss jedes Mal Freunde fragen, ob sie mit zu Friseur- oder Arztterminen kommen können.“ Die junge Frau hat Angst davor, dass der Stalker handgreiflich werden könnte. Sie würde sich wünschen, dass die Polizei den Täter von ihr fernhalten kann. „Ich will nicht, dass er ins Gefängnis muss, aber er sollte in ärztliche Behandlung.“

Auch der Verkäuferin hat die Verfolgung psychisch zugesetzt: „Ich bin selbst schon paranoid. Wenn jemand nur so ähnlich aussieht, bekomme ich Angst.“ Auch unter Schlafstörungen leidet die Frau. Sicher fühle sie sich nur zu Hause. Auf keinen Fall dürfe der Mann erfahren, wo sie wohnt.

Von Bastian Ludwig

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