Wau-Mau-Insel sucht noch ehrenamtliche Freiwillige

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Die Gassigeher kommen bei jedem Wetter: Kristin Kloke (von links), Hannelore Luley, Erika Steffens und Gerhard Kähler mit den Tierheim-Hunden Laszlo, Brandy, Susi und Kally, die alle vier ein neues Zuhause suchen.

Kassel. Aufgeregt springen Brandy, Susi, Kally und Laszlo in ihren Zwingern hin und her: Obwohl es regnet, dürfen die vier Mischlingshunde gleich spazieren gehen. Auf ihre Gassigeher ist Verlass.

Ob bei Regen, Schnee oder Glatteis, Kristin Kloke, Hannelore Luley, Erika Steffens und Gerhard Kähler kommen so oft es geht zum Hundeausführen ins Tierheim Wau-Mau-Insel an der Schenkebier Stanne. Aus Liebe zu den Hunden, sagen sie, die für jeden Auslauf dankbar sind.

Mindestens eine halbe Stunde am Tag sollte jeder der 100 Tierheim-Hunde ausgeführt werden, sagt Tierheimleiter Karsten Plücker. Immerhin 100 ehrenamtliche Gassigeher – darunter viele Studenten, Vorruheständler und Rentner – sind registriert, für die das Tierheim Versicherungsbeiträge bei der Berufsgenossenschaft zahlt. Doch könnten längst nicht alle so häufig kommen, wie die vier Hundefreunde, die an diesem Herbstmorgen pünktlich vor der Tür stehen.

„Wir suchen dringend noch Leute, die regelmäßig mit den Hunden spazieren gehen, und das auch bei schlechtem Wetter und im Winter“, sagt Plücker.

Der Spaziergang sei für die Hunde der einzige Höhepunkt des Tages, der möglichst jedem gegönnt werden sollte. Die Gassigeher sollten sich aber besser nicht auf einen Hund fixieren, sondern möglichst jedes Mal einen anderen ausführen, rät Plücker: „Wenn sich die Hunde zu sehr an einen Gassigeher gewöhnen, fällt ihnen der Abschied zu schwer, wenn sie vermittelt werden.“

Dass das umgekehrt zuweilen auch auf die Menschen zutrifft, hat Hannelore Luley bereits mehrfach erfahren. Seit 13 Jahren führt die Frührentnerin Hunde der Wau-Mau-Insel aus, wobei sie oft ihr Herz an ein bestimmtes Tier hängt: „Manchmal fließen Tränen, wenn er vermittelt wird“, erzählt sie.

Doch lasse sie die Hunde auch mit einem lachenden Auge gehen. Ein gutes Zuhause zu finden, sei schließlich oberstes Ziel für jeden Tierheim-Bewohner.

Doch manchmal gibt es ein „Happy End“ für Gassigeher und Hund. So hat die strubbelige Mischlingshündin Malaysia beim Spaziergang das Herz von Gerhard Kähler, Lehrer im Ruhestand, erobert. „Sie war völlig verängstigt und hat nur langsam Vertrauen gefasst“, erzählt der 66-Jährige. Seit zwei Wochen gehört Malaysia nun zur Familie, „und wir möchten sie nicht mehr missen“, sagt Kähler. Die Tierheim-Hunde lasse er trotzdem nicht im Stich.

Auch die Rentnerin Erika Steffens und die Auszubildende Kristin Kloke haben Hunde aus der Einrichtung bei sich aufgenommen. Beide gehen seit vier Jahren auch noch mit den Heim-Insassen spazieren. „So viel Zeit muss sein, egal ob es schneit, regnet oder stürmt“, sagt die 22-jährige Kristin.

www.wau-mau-insel.de

Von Monika Puchta

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