Ein Ausblick auf das Jahr 2013

So geht es weiter mit Kassels Wirtschaft und Arbeitsmarkt

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VW-Werk Kassel in Baunatal

Kassel. Kassel wächst – nicht nur beim gefühlten Selbstbewusstsein, sondern auch bei der Anzahl sozialversicherungspflichtiger Jobs und bei der Einwohnerzahl. Einschätzungen nach einem erfolgreichen Jahr:

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Nach Prognose von Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) dürfte die Stadt (aktuell etwa 196 500 Einwohner) im Jahresverlauf um rund 1000 Bürger zugelegt haben. „Ich halte es für denkbar, dass wir in absehbarer Zeit wieder die 200 000er-Marke knacken“, sagt Hilgen. Kontinuierlich wächst auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kassel, wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet: Im März 2012 (aktuellste verfügbare Zahl der Arbeitsagentur) waren 101 302 Personen in der Stadt in solchen Arbeitsverhältnissen tätig.

Das waren knapp 3000 mehr als im Vergleichsmonat 2011 und fast 5000 mehr als im März 2010. Auch vor dem Hintergrund einer abflauenden Konjunktur sei er „sicher, dass wir in Kassel auch 2013 eine stabile Entwicklung haben werden“, sagt der OB. Mit der erhofften Anerkennung des Bergparks Wilhelmshöhe als Unesco-Welterbe, der Flughafeneröffnung in Calden und dem voraussichtlichen Baubeginn der Grimm-Welt würden auch 2013 Impulse gesetzt, mit denen Kassel weithin auf sich aufmerksam machen werde.

Von Axel Schwarz

Arbeitsmarkt: Auf dem Kasseler Arbeitsmarkt zeigten sich 2012 unterschiedliche Entwicklungen: Bis zum Sommer hat es laut Arbeitsagenturleiter Detlef Hesse einen überdurchschnittlichen Beschäftigungszuwachs gegeben, dann sei die Lage spürbar abgekühlt. Nachdem die Kasseler Arbeitslosenquote Ende 2011 erstmals seit Jahrzehnten wieder in den einstelligen Prozentbereich gesunken war, ist die Anzahl der Arbeitssuchenden auf zwölf Monate betrachtet gestiegen: Im November 2011 waren genau 9000 Jobsucher bei der Agentur registriert, im vergangenen Monat waren es 9359 bei einer Quote von 9,6 Prozent. Nach einem winterbedingten Anstieg zu Jahresbeginn blieb die Quote seit Mai fortlaufend einstellig. Damit rechnet Hesse auch ab dem kommenden Frühjahr wieder – „sofern nichts Negatives passiert“.

Hartz IV: In Kassel sind immer weniger Menschen auf Hartz IV angewiesen – im November waren dies 20 781 Personen – ein Minus von 7,2 Prozent oder 1621 Menschen gegenüber dem Vorjahr. Das Jobcenter der Stadt Kassel habe dieses Jahr über 4000 Personen in sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt, sagt Geschäftsführer Detlev Ruchhöft. Er sei optimistisch, dass sich dies nächstes Jahr in gleichem Umfang fortsetzt, denn das Jobcenter verzeichne eine anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Ruchhöft sieht für Kassel „weiterhin eindeutig eine hohe Dynamik im wirtschaftlichen Geschehen“. Vor allem in den Bereichen Handwerk, Dienstleistungen, Gastronomie und Zeitarbeit gebe es weiterhin gute Perspektiven, aus dem Hartz-IV-Bezug aussteigen zu können.

Wirtschaftskraft: Kassels Wirtschaft hat einen Mix aus Branchen und Betriebsgrößen, die auch rauere Konjunkturlagen vergleichsweise gut überstehen können, meinen Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) und Arbeitsagenturchef Detlef Hesse. Beide verweisen auf den regionalen Wirtschaftsmotor Volkswagen: Der Autobauer will binnen fünf Jahren 1,8 Milliarden Euro am Standort Baunatal investieren. „Man stelle sich vor, wir hätten hier Peugeot oder Opel – dann sähe das ganz anders aus“, sagt Hesse. Und Hilgen betont, trotz aller Probleme der Solarbranche sei er „felsenfest sicher, dass SMA auch künftig eine wichtige Stütze bleiben“ werde. Neben der stark mittelstandsgeprägten heimischen Wirtschaft werde sich auch der künftige Regionalflughafen in Calden stabilisierend auswirken, meinen beide.

Risiken: Ein großes Fragezeichen ist, wie sich die Konjunktur auf europäischer Ebene weiterentwickelt und auf die Wirtschaft in Kassel durchschlägt. Nordhessens DGB-Vorsitzender Michael Rudolph gibt zu bedenken, dass viele heimische Betriebe des verarbeitenden Gewerbes stark exportorientiert seien. Es sei ein Warnsignal, dass im zweiten Halbjahr die Zahl offener Stellen im Bereich Leiharbeit deutlich abgenommen habe. „Das sind immer die Ersten, die es trifft“, sagt Rudolph und verweist auf Stellenabbau bei SMA, Rheinmetall und Bombardier im Jahresverlauf. Am Ende des Jahres seien die Verhältnisse für Arbeitnehmer eher unsicherer geworden als zu Beginn. Jeder Fünfte in Stadt und Landkreis arbeite inzwischen im Niedriglohnsektor. (asz)

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