Polizei informierte an der Wilhelmshöher Allee Passanten zum Thema Verkehrssicherheit

Geisterfahrer auf dem Radweg

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Auf dem Gehweg nur im Schritttempo: Radfahrer Uwe Eberl (rechts)im Gespräch mit Franz Wagner von der Verkehrswacht Kassel (links) und Jürgen Schnittger von der Verkehrsinspektion.

Kassel. Geisterfahrer sind auf der Straße zum Glück die Ausnahme. Auf dem Bürgersteig irrt sich allerdings so mancher Radfahrer in der Fahrtrichtung. „Viele wissen gar nicht, dass der Gehweg in der Regel nur in eine Richtung für Fahrräder freigegeben ist und zwar parallel zum Straßenverkehr“, erklärt Jürgen Schnittger, Leiter des Verkehrserziehungsdienstes am Polizeipräsidium Nordhessen.

Er und seine Kollegen hatten gestern die mobile Wache vor der Ingenieurschule an der Wilhelmshöher Allee aufgestellt, um zum Thema Verkehrssicherheit zu informieren. Unterstützung leistete dabei auch die Verkehrswacht Kassel.

Torkeln wie bei 0,8 Promille: Philipp Leise (23) setzte sich die Rauschbrille auf, rechts Volker Reich, Vorsitzender der Verkehrswacht Kassel.

Ein ums andere Mal baten die Beamten Radfahrer abzusteigen, die stadtauswärts Richtung Gesundheitszentrum auf dem linken Bürgersteig fuhren. „Aber der Gehweg ist doch für Fahrräder frei“, entgegnet ein 39-Jähriger, der auf dem Mountainbike unterwegs ist. Freundlich erklären die Beamten den Hintergrund der Regelung: Wenn Radverkehr in beide Richtungen zugelassen wäre, und sich dann nicht nur zwei Räder entgegenkommen, sondern auch noch ein Fußgänger unterwegs ist, kann es schnell gefährlich werden. Eigentlich kostet der Verstoß zehn Euro Bußgeld. Aber die Polizisten belassen es bei dem Hinweis auf das richtige Verhalten.

Der Stärkere gibt nach

„Wenn ich auf dem Bürgersteig fahre, dann immer im Schritttempo“, sagt Uwe Eberl, den die Polizei ebenfalls als Linksfahrer auf dem Gehweg angehalten hat. Grundsätzlich sei das langsame Fahren lobenswert, sagt Polizeihauptkommissar Schnittger. „Der Radfahrer ist auf dem Gehweg der stärkere Verkehrsteilnehmer, deshalb sollte er sich rücksichtsvoll und vorsichtig verhalten.“ Auf die richtige Fahrtrichtung müsse die Polizei trotzdem bestehen, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern war ein Schwerpunkt des gestrigen Aktionstags. „Zunehmend hören wir, dass ältere oder gehbehinderte Menschen sich von Radfahrern gefährdet fühlen“, berichtet Schnittger. Aber auch mit Kindern komme es

manchmal zu brenzligen Situationen, sagt Christa Dahlmeier (62), die mit ihren Enkeln Niklas und Maja auf dem Bürgersteig vorbeikommt. „Kinder laufen auch mal plötzlich einen Schritt zur Seite.“ Wenn dann ein Radfahrer vorbeiprescht, kann schnell etwas geschehen.

Mit Brille im Rausch

Vorsicht ist auch angesagt beim Umgang mit Alkohol. Mit Rauschbrillen, die die eingeschränkte Wahrnehmung und Koordination bei 0,8 und 1,3 Promille simulieren, wies die Verkehrswacht auf die Gefahren hin. „Betrunken sollte man sich auch nicht aufs Rad setzen“, warnt Franz Wagner. Wer mit Rauschbrille nicht mehr auf einer geraden Linie laufen kann, der ist beim echten Rausch oft auch nicht mehr in der Lage, ein Fahrrad zu lenken, ohne umzufallen oder andere anzurempeln.

Von Katja Rudolph

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