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Claudia Nehrig hat um DRK-Kliniken gekämpft wie eine Löwenmutter

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Von: Robin Lipke

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Die ehemalige Geschäftsführerin Claudia Nehrig vor den ehemaligen DRK-Kliniken in Wehlheiden, die von der Helios-Gruppe übernommen wurden.
Den Humor nicht verloren: Claudia Nehrig fühlt sich dem Krankenhaus in Wehlheiden verbunden. © Robin Lipke

Claudia Nehrig hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Auch dank der 48-Jährigen geht es in den ehemaligen DRK-Kliniken im Kasseler Stadtteil Wehlheiden weiter.

Kassel – Es ist schnell daher gesagt, dass jemand ein bewegendes Jahr hinter sich hat. Um die zurückliegenden Monate von Claudia Nehrig zu umschreiben, muss sogar noch eine Schippe draufgelegt werden. Die ehemalige Geschäftsführerin der DRK-Kliniken Nordhessen spricht von einem herausfordernden Jahr. Von Ungewissheit. Dass sie an ihre Grenzen gestoßen sei. „Ich hatte auch Angst um meinen Job“, sagt sie.

In erster Linie verfolgt die 48-Jährige das eine große Ziel. Sie will die DRK-Standorte in Wehlheiden und Kaufungen erhalten. Jobs sichern. Dafür kämpft sie wie eine Löwenmutter. Denn sie fühlt sich extrem verbunden mit dem Haus, den Mitarbeitern und vor allem mit der Schwesternschaft, deren Vorsitzende sie ist. Nicht ohne Stolz blickt Nehrig zurück: „Es ist gelungen, die Kliniken zu retten.“ Die Helios-Gruppe hat das finanziell marode Haus übernommen.

Doch bis es dazu kommt, erlebt Nehrig eine Zeit, die sie als zermürbend beschreibt. Bereits im Januar beginnt die DRK-Schwesternschaft, einer der beiden Träger, nach einem strategischen Partner Ausschau zu halten. Die Verhandlungen verlaufen schwierig, weil sich die Schwesternschaft und der ehemalige Vorstand des zweiten Gesellschafters, der Kaufunger Verein DRK Soziale Dienste und Einrichtungen (SDE), nicht einig sind – mehr noch: Die Fronten sind derart verhärtet, dass im Frühjahr ein aussichtsreich klingender Verkaufsprozess scheitert.

Nehrig bezeichnet dieses Aus als den schlimmsten Moment das Jahres. Tränen fließen. Aber es kommt noch dicker. Anfang Juni beantragt Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nur wenige Tage später tritt der SDE-Vorstand geschlossen zurück, ein neuer wird gewählt, und Lottis wird von der Gesellschafterversammlung abberufen.

Turbulente Tage. Nehrig spürt, wie ihre Verantwortung wächst. Sie muss lernen, mit dem Druck umzugehen. Zugleich fühlt sie sich hilflos. In dieser Phase beschäftigt sie dieser Gedanke: „Es wäre so schade, wenn jetzt alles kaputt geht.“ Viel Schlaf findet Nehrig nicht. Halt bekommt sie von ihrer Familie, von ihrem Lebensgefährten Martin und ihrer Tochter Emily, mit denen sie in einem Haus am Lindenberg lebt. Die beiden seien ihr Anker gewesen.

Nehrig muss miterleben, wie Franz-Ludwig Danko als vorläufiger Insolvenzverwalter das Kommando übernimmt. Sie ertappt sich bei der Überlegung, dass „der ganze Kampf nun doch für die Katz war“. Aber sie gibt nicht auf. Führt hinter den Kulissen weiter Verhandlungen. Selbst im Sommerurlaub in Südtirol schaltet sie nicht ab und hängt regelmäßig am Smartphone: „Ich wollte das Haus nicht allein lassen.“

Der Einsatz lohnt sich. Ende August wird der Verkauf an Helios perfekt gemacht. Die Bediensteten behalten ihre Arbeit, Gehälter werden bezahlt, Gläubiger befriedigt und vor allem: Das vorläufige Insolvenzverfahren wird aufgehoben. Durchatmen.

Nun beginnt ein neuer Prozess, die DRK-Kliniken sollen in den Helios-Kosmos integriert werden. In diesem Verlauf wird Nehrig als Geschäftsführerin abberufen. Die Entscheidung betrachtet sie mit einem lachenden und weinenden Auge. Lachend deshalb, weil sie nun frei für andere Dinge sei, wie sie sagt. Sie sitzt weiterhin der Schwesternschaft vor und bleibt Pflegedirektorin. Mit Blick auf 2021 ist Nehrig ein weiterer Aspekt extrem wichtig: „Ich habe meinen Humor nicht verloren.“ (Robin Lipke)

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