Bei Trockenheit zeigen sich auf der Karlswiese die Umrisse des documenta-Pavillon von 2007

Gelbe Flecken sind Erbe der d 12

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Auffällig: Dort, wo zur documenta 12 der Glaspavillon stand, wächst das Gras schlecht. Der Grund sind Mengen von Kalk im Boden. Foto: Herzog

Kassel. Während zurzeit die documenta-13-Besucher durch die Karlsaue flanieren oder radeln, um Kunst zu genießen, ist im Untergrund stets noch die documenta 12 präsent. Sie hat hier - auch nach fünf Jahren noch sichtbar - unrühmliche Spuren hinterlassen.

Insbesondere bei Trockenheit sind im Rasen der Karlswiese die Konturen des 12 000 Quadratmeter großen documenta-Pavillons, der vor der Orangerie errichtet worden war, sichtbar. Bei Nahem betrachtet handelt es sich um trockene Stellen im Rasen.

„Die Streifen zeigen die Standorte der gläsernen Ausstellungshäuser der letzten documenta im Jahr 2007“, sagt dazu Professor Bernd Küster, der Leiter der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Die Flächen tauchten seit der Wiederherstellung des Rasens nach der d 12 vor allem bei Trockenheit und besonderer Beanspruchung der Wiese auf.

Viel Kalk im Boden

Michael Boßdorf, bei der MHK zuständig für Gärten und Gartenarchitekturen, erklärt, wie der Schaden entstand: Anlässlich des Baus des „Glaspalasts“, den d 12-Leiter Roger M. Buergel hat errichten lassen, seien große Mengen an Kalk in den Boden eingearbeitet worden. Das sollte dem schweren Bauwerk im feuchten Auengelände Standfestigkeit verleihen. Auch die „erhebliche“ Erdverdichtung während der 100 Tage Ausstellung sei negativ gewesen.

Eine Gartenbaufirma aus Bielefeld war nach Ende der Ausstellung von der documenta damit beauftragt worden, die Karlswiese wieder in ihren Ursprungszustand zurückzuversetzen. „Die haben gepflügt, gedüngt und neuen Rasen eingesät“, sagt Boßdorf: „Wir sind davon ausgegangen, dass die das ordentlich gemacht haben.“ Die MHK habe die Arbeiten deshalb auch so abgenommen.

Bereits ein Jahr später habe sich jedoch gezeigt, dass die Behandlung nicht ausreichend war. „Es hätte ein kompletter Bodenaustausch erfolgen müssen“, sagt Boßdorf. „Das wäre finanziell sehr aufwendig gewesen.“

„Das Problem ist bis jetzt noch nicht an mich herangetragen worden“, sagt der Geschäftsführer der documenta GmbH, Bernd Leifeld. Er verteidigt die Bielefelder Gartenbaufirma. Sie sei renommiert und erfahren. Eine tiefgründige Bodenbearbeitung der Karlswiese gibt es aber frühestens 2013, denn der Hessentag werde erwartungsgemäß ebenfalls den Rasen sehr beanspruchen, sagt Bernd Küster.

Er hofft, dass die Behandlung Abhilfe bringt. Beim Rückbau der d 13 möchte Boßdorf möglichst darauf achten, dass heimische Firmen beauftragt werden: Die hätten ein ganz anderes Verantwortungsgefühl gegenüber den Kasselern und ihren schönen Parkanlagen.

Von Christina Hein

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