Urteil: 18 Monate auf Bewährung

Geld aus Schließfach gestohlen: Mann missbrauchte Vertrauen eines Pensionärs

Kassel. Wegen Unterschlagung ist ein 44-jähriger Kasseler gestern zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte 100.000 Euro aus dem Schließfach genommen, für das er vom früheren Lebensgefährten seiner verstorbenen Mutter eine Vollmacht hatte.

Das geschah ohne seine Zustimmung, erklärte der 77-Jährige bestohlene Pensionär als Zeuge vor dem Amtsgericht Kassel. Er habe das Geld dort deponiert, weil er oft auf Reisen gehe.

Der Angeklagte berichtete von einem freundschaftlichen Verhältnis zu dem Pensionär, der einige Jahre mit seiner Mutter liiert war. Er habe ihn überredet, mit 42 Jahren eine Lehre zum Industriemechaniker zu beginnen und ihm finanzielle Unterstützung zugesagt. Regelmäßig traf man sich sonntags, um zum Essen zu gehen oder Kaffee zu trinken, bestätigte der geprellte Pensionär, früher Lehrer.

Der ältere Herr hätte ihm von einem Barvermögen in Höhe von 450 000 Euro erzählt, von dem er ihm die Hälfte schenken würde, behauptete der Angeklagte. Das Geld sei in seiner Anwesenheit 2012 in einem Schließfach in der Kasseler Bank in Bettenhausen deponiert worden. Auch einen Wohnungsschlüssel hatte ihm der 77-Jährige überlassen. „Ich hatte großes Vertrauen zu ihm“, erzählte der Pensionär.

Im Juni 2013 holte sich der Angeklagte heimlich den Schließfachschlüssel und ging zur Bank. Im Schließfach wären nur noch 200 000 Euro gewesen, das hätte ihn gewundert, behauptete er. Zweimal war er da und nahm zwei Bündel 500er-Scheine mit, insgesamt 100 000 Euro.

Ganz anders gestaltete sich die Geschichte nach Angaben des Bestohlenen. Demnach habe der Angeklagte nie gewusst, wie viel Geld sich im Schließfach befindet. Keine 450 000, sondern knapp 200 000 Euro. Die Vollmacht sei für den Fall seines Ablebens bestimmt gewesen. Dann sollte der Angeklagte das Schließfach räumen, damit seine Angehörigen nichts vom Erbe bekommen, sagte der 77-Jährige.

Die Hälfte des Geldes hat der Angeklagte bis zu seiner Festnahme bereits ausgegeben - für ein Auto, eine Einbauküche, Klamotten und Ausgehen. 49 000 Euro bekam der Geschädigte zurück, auch der Mercedes des Angeklagten wurde eingezogen. (zal)

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