Sechs Kasseler haben bereits Strafanzeige erstattet

Reisebüro am Königstor betrog Kunden: Geld und Urlaub futsch

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Musste Flüge doppelt zahlen: Ansonsten hätte Kundin Michaela Streuff Ende September nicht nach Miami fliegen können.

Kassel. Weil der Chef eines Reisebüros am Königstor im Stadtteil Mitte die Überweisungen von mehreren Kunden nicht an die Reiseveranstalter weitergeleitet hat, blieben diese auf einem Schaden von mindestens 10.000 Euro sitzen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Unternehmer wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs bislang in drei Fällen, wie Sprecher Dr. Götz Wied gegenüber der HNA bestätigt. Diese Kunden hätten ihre Reisen zwischen Januar 2012 und Juli 2013 gebucht und auch gezahlt, aber nie ihre Tickets erhalten.

Auch der Traum der 20-jährigen Farina Rüdiger und ihres Freundes, acht Monate gemeinsam durch Australien zu reisen und dort zu arbeiten, wäre in letzter Sekunde fast geplatzt. Zwar hatten die beiden 2800 Euro für die Flüge an das Reisebüro überwiesen, aber sie bekamen die Tickets nicht zugeschickt.

Inhaber zur Rede gestellt

Wenige Tage vor dem Reiseantritt vor vier Wochen ging deshalb Holger Rüdiger, der Vater von Farina, in das Reisebüro am Königstor und stellte den Inhaber zur Rede. Der habe schließlich eingeräumt, er hätte die Flüge zwar reserviert, aber das Geld nicht weiter an den Veranstalter überwiesen. Damit Tochter und Freund dennoch nach Australien reisen konnten, bezahlte Rüdiger die Tickets erneut.

Kein Einzelfall: Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch liegen gegen den Mann mittlerweile sechs Strafanzeigen wegen des Verdachts des Leistungsbetrugs vor. In sechs Fällen soll er Kunden um Summen zwischen 200 und 3800 Euro betrogen haben. So auch die 33-jährige Michaela Streuff aus Kassel, die zwei Flüge nach Miami gebucht hatte. Um überhaupt die Reise antreten zu können, musste sie am Vorabend des Abflugs erneut aus eigener Tasche 2500 Euro für neue Flugtickets bezahlen. Dieses Geld habe der Reisebüro-Inhaber umgehend (am 27. September) erstatten wollen, sagt Streuff. Trotz mehrmaliger Aufforderungen - auch durch einen Anwalt - sei das bis heute nicht geschehen, sagt die 33-Jährige. Sie fragt sich, warum der Mann bei der ganzen Vorgeschichte sein Gewerbe überhaupt noch betreiben darf.

Gewerbeaufsicht

Bei der Gewerbeaufsicht, die beim Regierungspräsidium (RP) Kassel angesiedelt ist, will man sich jetzt um die Angelegenheit kümmern, sagt Sprecher Jörg Wiegel. Eine Straftat allein sei aber noch kein Grund, ein Gewerbe zu untersagen. Davon abgesehen sei gegen den Unternehmer ein Gewerbe-Untersagungsverfahren wegen Steuerschulden eingeleitet worden.

Der Inhaber des Reisebüros erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass er seinen Kunden „selbstverständlich den Schaden ausgleichen“ wolle. Deshalb habe er sich auch einen Anwalt genommen und den Berufsverband eingeschaltet. Schuld an seinen Geldschwierigkeiten habe ohnehin nur eine Kanzlei für Insolvenzverwaltung. Die habe bei einem Insolvenzverfahren Geld von ihm zu Unrecht vereinnahmt. Sobald er dieses zurückhabe, wolle er das Geld an seine Kunden zurückzahlen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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