Ein Drittel der Kunden bezahlt seine Bestatter-Rechnung nicht

Kein Geld: Immer mehr Urnen bleiben beim Bestatter

Kassel. Geldknappheit und mangelnde Zahlungsmoral machen auch vor dem Geschäft mit dem Tod nicht Halt. Die Zahl der Menschen, die bei der Kasseler Friedhofsverwaltung noch offene Rechnungen haben, steigt.

Das Problem gipfelt darin, dass Urnen von Angehörigen einfach nicht abgeholt werden. „Kürzlich haben wir erst nach eineinhalb Jahren die Asche einer alten Frau beigesetzt“, erzählt Friedhofschef Jürgen Rehs. Der Sohn hatte die Einäscherung in Auftrag gegeben und war dann in Südamerika abgetaucht. Rehs: „Wir wollten nicht länger warten und haben gehandelt.“

So etwas komme fünf, sechs mal im Jahr vor. Seit drei Jahren beklagt Rehs am Jahresende jeweils um die 240 offene Rechnungen, darunter vor allem Gebühren für Beisetzungen. Der Schaden für die Friedhofsverwaltung belaufe sich auf zig tausend Euro im Jahr.

Auch Dominik Kracheletz, der Vorsitzende des hessischen Bestatterverbands, bestätigt die geringe Bereitschaft vieler Kunden, ihre Rechnungen zu zahlen. Etwa ein Drittel zahle die Kosten der in Auftrag gegebenen Beisetzungen und Trauerfeiern nicht. Bei 20 Prozent der Kunden sei kein Geld da und das Sozialamt müsse oft lange prüfen, ob es zuständig ist oder Angehörige vorhanden sind, die für die Kosten aufkommen. Weitere zehn Prozent der Kunden weigerten sich einfach, ihre Rechnungen zu begleichen und müssten immer wieder gemahnt werden. „Vor zehn Jahren hatten wir das Problem in dieser Größenordnung nicht“, sagt Kracheletz. Die Gründe liegen für Rehs und Kracheletz auf der Hand: Neben der angespannten finanziellen Situation vieler Menschen, darunter häufig Privatinsolvenzen, mache sich der Wegfall des Sterbegelds bemerkbar. Seit vier Jahren zahlen die Krankenkassen bei einem Todesfall kein Geld mehr, nachdem das Sterbegeld in den Jahren zuvor nach und nach reduziert worden war. ZUM TAGE NÄCHSTE SEITE

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