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Geldnot immer größer: Kasseler Student schläft im Auto

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Von: Katja Rudolph

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Unikims auf dem Campus der Universität Kassel
Unikims auf dem Campus der Universität Kassel © Unikims GmbH

Die Geldnot der Studenten wird in Zeiten der Preissteigerungen immer größer. Das sagen auch die Berater des Kasseler Studierendenwerks.

Kassel – Die Preissteigerungen für Lebensmittel und Energie belasten vor allem Haushalte mit wenig Geld. Dazu zählen auch Studierende. Wie groß deren Not ist, zeigt sich an der Nachfrage nach der Sozialberatung des Kasseler Studierendenwerks. Die Sprechstunden platzen seit einigen Wochen aus allen Nähten.

Dabei sind die beiden Sozialberater, deren Stundenkontingent zuletzt bereits um 30 Prozent aufgestockt wurde, auch vermehrt mit drohender Wohnungslosigkeit von Studierenden konfrontiert. „Das habe ich in den 18 Jahren, die ich beim Studierendenwerk arbeite, so noch nicht erlebt“, sagt Mike Pillardy. Man wisse von einem Studenten, der derzeit im Auto schläft, weil er keinen Wohnraum finde, den er sich leisten könne. Aufgrund der Energiekrise erhöhten derzeit viele Vermieter vorsorglich ihre Nebenkosten, so Pillardy. Das sei für Studierende mit ohnehin knappem Budget ein großes Problem. „Viele wissen nicht mehr, wo sie noch sparen sollen.“

Belastet waren die Kasseler Studentinnen und Studenten auch schon in den vergangenen beiden Jahren durch die Coronapandemie, in der viele Nebenjobs verloren gingen und durch die reine Online-Lehre auch soziale Kontakte litten. So gab es bereits im vergangenen Jahr mit 2300 Sozialberatungen einen Allzeit-Höchstwert. Der Negativrekord wird dieses Jahr nochmals überboten: Schon jetzt liegt die Zahl der Sozialberatungen bei 2500.

Dass es dabei vor allem um finanzielle Engpässe geht, zeigt sich auch an Auszahlungen aus dem Notfonds von Studierendenwerk und Asta. Dieses Jahr wurden bereits 68 000 Euro ausgezahlt, um existenzielle Not zu lindern. Das sind rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr, als die Nachfrage nach finanzieller Hilfe aufgrund der Pandemie bereits stark gestiegen war.

Damit Betroffene sich wenigstens ein warmes Essen leisten können, gewährt die Sozialberatung immer öfter den sogenannten Freitisch. Dabei erhalten Studierende Guthaben auf ihrer Campus-Card, mit der in den Mensen und Cafeterien des Studierendenwerks bezahlt wird. Dieses Jahr wurden bereits insgesamt 17 000 Euro an 123 Personen vergeben. Das ist schon jetzt fast dreimal so viel wie im gesamten Vorjahr.

Von Betroffenen werde immer öfter das Thema Studienabbruch angesprochen, berichten die Sozialberater. Aber auch viele, die mit Geldsorgen weiter machen, hätten Schwierigkeiten, sich aufs Studium zu konzentrieren. (Katja Rudolph)

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