34-jähriger Kasseler hatte Joggerin belästigt - Laufen bleibt der Frau verleidet

Geldstrafe für Grapscher

Kassel. Sofort habe sich die Joggerin gewehrt. Irgendwie sei da sofort ein ungutes Gefühl gewesen, als sie den Mann von fern an der Heinrich-Schütz-Allee gesehen habe, berichtete die 40-Jährige gestern als Zeugin vor dem Kasseler Amtsgericht.

Als sie den Unbekannten überholte, habe er ihr plötzlich fest an den Hintern gegriffen und ihr Obszönitäten zugerufen. Sie schrie ihn an, wehrte sich, er ließ los.

Beleidigung

Nun hat das Amtsgericht diesen Mann, einen 34-jährigen Kasseler, wegen Beleidigung auf sexueller Basis zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. 120 Tagessätze zu je 40 Euro muss er zahlen – in der Summe sind das 4800 Euro. Er akzeptierte die Strafe sofort, die Nebenklägerin und der Staatsanwalt ebenso. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Doch für die 40-Jährige dauern die Folgen jenes August-Abends weiter fort. „Das Laufen war mein Ausgleich für alles“, sagte sie auf dem Zeugenstuhl: „Diese Freude ist mir komplett weggenommen worden.“ Draußen joggen - das gehe nicht mehr.

Die Frau kam auf ihren Beruf zu sprechen und darauf, dass sie eigentlich viele Erfahrungen mit brenzligen Situationen habe: „Ich bin immerhin seit 18 Jahren Polizistin“, sagte sie. Sie habe nicht gedacht, dass sie das so belastet. Zweimal formulierte der 34-Jährige gestern seine Entschuldigung – und seine Hoffnung auf Verzeihung. Er ist kein Held der geschickten Formulierung. Schon im Geständnis nicht: Er relativierte die verbale Belästigung, die er zugab. „Aber mehr hab ich nicht gewollt. Ich habe ein reines Gewissen.“ Verteidiger Bernd Pfläging übersetzt diese Einlassung dann in passendere Worte: Seinem Mandaten sei die „Ungeheuerlichkeit“ seines Tuns klar. Nur bestreite er den Vorwurf der versuchten sexuellen Nötigung.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 34-Jährigen ursprünglich auch vorgeworfen, er habe versucht, die Frau in ein Gebüsch zu zerren. Die Nebenklägerin selbst sagte aber gestern nur, der Vorfall habe sich neben einem Gebüsch abgespielt. „Ich weiß nicht, wie das ausgegangen wäre, wenn ich mich nicht gewehrt hätte.“ Sie wolle niemandem etwas „anhängen“.

„Übermut vielleicht“

Eine Begründung für sein Verhalten versuchte der 34-Jährige gar nicht erst vorzubringen. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat. Übermut vielleicht“, sagte er auf Nachfrage von Richterin Ferchland. Vielleicht sei er auch durcheinander gewesen. Noch weniger weiß er auf ihre Frage zu sagen, warum er die Joggerin begrapschte, obwohl er offenbar schon einmal in einem nicht ganz unähnlich gelagerten Verfahren vor Gericht stand. Damals wurde die Sache gegen eine Geldbuße eingestellt. Damit war der Mann nicht vorbestraft. Das änderte sich jedoch gestern.

Von Katja Schmidt

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