Amtsgericht verurteilte Kasseler wegen Stalkings, übler Nachrede und Bedrohung

Geldstrafe für Schmähungen

Kassel. „Adrett“, „eloquent“, „perfide“: Das waren die Begriffe, die ein 33-jähriger Kasseler gestern zum Ende eines Stalking-Prozesses im Amtsgericht über sich zu hören bekam. Wegen Straftaten zulasten dreier junger Frauen aus der Region wurde er zu insgesamt 2100 Euro Geldstrafe verurteilt.

Richter Matthias Grund befand den 33-Jährigen in einem Fall des Nachstellens in Tateinheit mit Beleidigung, übler Nachrede und vorsätzlicher Körperverletzung für schuldig. Unter Einbeziehung einer älteren Strafe wurden dafür 130 Tagessätze à zehn Euro verhängt.

In den weiteren Fällen erging der Schuldspruch wegen übler Nachrede, Beleidigung, Bedrohung und Datenveränderung. Dafür wurde eine Gesamtstrafe von 80 Tagessätzen verhängt.

Die drei jungen Frauen hatten erleben müssen, wie in sozialen Netzwerken im Internet falsche Profile von ihnen auftauchten. Die Seiten erweckten den Eindruck, die Frauen selbst würden sich dort mit Begriffen wie „Schlampe“ beschreiben – und als stets auf der Suche nach neuen Sex-Partnern. Alle drei Opfer hatten den Angeklagten als Urheber vermutet.

Dass sie damit richtig lagen, davon erklärte sich der Richter gestern voll überzeugt. Nebulöse Andeutungen des Angeklagten, die Frauen könnten sich gegen ihn verbündet haben, seien „dreist“.

Die junge Frau, die als Erste Anzeige gegen den 33-Jährigen erstattet hatte, nahm als Nebenklägerin am Prozess teil. Sie hatte beschrieben, wie sie den Angeklagten im Internet kennengelernt, ihn getroffen und auch verliebte Gefühle empfunden habe. Bald aber habe sie sich eingeengt und kontrolliert gefühlt – und sich getrennt.

Das habe der Angeklagte dann zum Anlass genommen, der jungen Frau SMS über seinen angeblichen Freitod zukommen zu lassen, so Grund. Er habe sie aber auch beschimpft, ihr mit Gewalt gedroht und sie schließlich tatsächlich am Eingang zu ihrer Wohnung angegriffen. Was der 33-Jährige sich von seinem Tun versprochen habe, bleibe „sein Geheimnis“.

Ratschlag: Therapie

Nebenklagevertreter Hans-Werner Osterberg hatte dahinter den „abstrusen Gedankengang“ vermutet, eine „kaputte“ Ex-Partnerin werde zurückkehren – oder solle „keine anderen Freunde mehr“ haben. Oberstaatsanwalt Wolfgang Göb hatte dem Angeklagten dringend geraten, sich therapieren zu lassen.

Der Verteidiger hatte kein Plädoyer gehalten. Stattdessen hatte der Angeklagte ausführlichst erklärt, was ihm alles nicht nachgewiesen worden sei. Er habe ehrlich ausgesagt, versicherte er: „Und ich weigere mich weiterhin, Dinge zuzugeben, die ich nicht begangen habe.“

Das Gericht verurteilte den 33-Jährigen gestern auch, 3000 Euro an die Nebenklägerin zu zahlen.

Von Katja Schmidt

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