Wie ein gelernter Steinmetz die Königsstraße verschönert

Ralf Ernst sitzt vor seinem Bild des Gemäldes „Selbstbildnis Albrecht Dürer“ in der Königsstraße. Foto: Graf/nh

Kassel. Ralf Ernst sitzt gegenüber von Sinn-Leffers auf der Königsstraße und malt. Ob es die Mona Lisa ist, der Mann mit dem Goldhelm oder das Selbstbildnis Albrecht Dürers, ist für ihn nicht so wichtig. Nur gefallen müssen ihm die Bilder, die er dann malt.

Der 51-Jährige malt sie jedoch nicht auf Leinwand, sondern auf die Straße. Pflastermalerei, oft irrtümlich Straßenmalerei genannt, ist das, was Ralf Ernst täglich auf die Straße treibt. Er verdient damit seinen Lebensunterhalt.

Ernst ist gelernter Steinmetz, doch die Chance auf einen guten Arbeitsplatz in diesem Bereich ist gering. „Heute hämmert man nur noch Namen in fertige Grabsteine, mit Kunst hat das nichts mehr zu tun“, sagt Ernst. Nach einer Scheidung und einigen turbulenten Jahren, in denen er auch mit der Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatte, wurde er Pflastermaler. Er ist das ganze Jahr auf den Straßen Deutschlands unterwegs und malt seine Bilder.

Die meiste Zeit lebt er in seinem Wagen, schläft dort und ist tagsüber auf der Straße, um seine Bilder auf das Pflaster zu bringen. Im Winter zieht es ihn nach Norddeutschland, wo eine Freundin von ihm lebt. Dort kommt er in den kalten Monaten unter, wenn es ihn nicht wieder auf die Straße zurück treibt.

Man trifft ihn auf Straßen- oder Stadtfesten, im Winter auch auf Weihnachtsmärkten. Wenn es im Winter zu kalt ist oder Schnee liegt, wechselt er zur Porträtmalerei. Ihm gehe es nicht darum, mit seiner Kunst reich zu werden, sagt er. Er möchte nur malen und andere daran teilhaben lassen, was ihm gefällt und was er kann. Auf die Frage, ob sich die Pflastermalerei lohnt, antwortet er: „In der Regel rechnet es sich, wenn man keine hohen Ansprüche stellt. 60 bis 70 Euro werden es schon am Tag.“ 40 Euro kostet ihn ein Bild auf der Straße, die speziellen Kreiden sind nicht billig.

Er möchte jetzt ein Konzept für ein 3D-Bild entwickeln. Ein Bild, das von einem bestimmten Blickwinkel so wirkt, als ob eine dreidimensionale Landschaft auf der flachen Straße geschaffen wurde.

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der meist in seinem Ford lebt, fühlt sich wohl in Kassel. Hier achte man seine Kunst, die Fußgänger laufen nicht einfach über seine Bilder, bleiben oft stehen und schauen ihm beim Malen zu. „Die Menschen in Kassel sind einfach freundlicher zu mir als in anderen Städten. Vielleicht liegt das an der documenta, dass die Menschen hier mehr mit Kunst anfangen können.“

Stolz zeigt er seine Urkunde für den zweiten Platz beim Pflastermalerwettbewerb in Geldern, der unter den Künstlern in ganz Europa einen guten Ruf hat. Er hat auch schon vor dem Kölner Dom, in Hamburg und in Italien gemalt. Doch immer wieder zieht es ihn zurück nach Kassel.

In der kommenden Woche ist er wieder in einer anderen Stadt unterwegs, wo genau, entscheidet er meist spontan, je nach Wetterlage. „Aber ich komme bald wieder zurück“, verspricht er.

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