Uni erforscht

Beziehung von Mensch und Tier: Geliebt, gejagt, verspeist

Der Mensch macht Unterschiede beim Tier: Es gibt die freundschaftlichen Begleiter durchs Leben, Schädlinge und Nutztiere. Die Uni Kassel erforscht unter anderem, warum wir für Tiere unterschiedlich viel Sympathie empfinden. Fotos: dpa

Kassel. Sie sind die Freunde des Menschen, Transportmittel, Schädling und Nahrungsspender: Das Verhältnis von Mensch und Tier ist seit jeher widersprüchlich. Es hängt von der Tiergattung und dem historisch-kulturellen Kontext der Menschen ab.

In einem neuen Forschungsschwerpunkt der Uni Kassel beschäftigen sich mehrere Fachbereiche mit der Mensch-Tier-Beziehung. Die Forschung ist Teil des Loewe-Förderprogramms des Landes und wird mit 3,6 Mio. Euro unterstützt.

Koordiniert wird das 2014 startende Projekt von Prof. Dr. Winfried Speitkamp, Leiter des Fachgebiets Neuere und Neueste Geschichte. „Tiere begleiten den Menschen seit Zehntausenden Jahren und doch reflektieren wir nur wenig darüber“, begründet Speitkamp das Forschungsvorhaben. Besonderheit sei die Einbindung mehrerer Disziplinen, die sich auf unterschiedliche Weise der Thematik näherten.

Winfried Speitkamp

Beteiligt sind Wissenschaftler aus den Agrarwissenschaften, der Germanistik, Theologie, Philosophie sowie der Geschichts- und Kunstwissenschaft. Bis 2016 setzen sich elf Professoren und 18 wissenschaftliche Mitarbeiter mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Tieren auseinander. Die Forschungsergebnisse sollen in der Praxis Anwendung finden. So etwa in der Tierzucht, Tierforschung und den Tierrechten.

Ein Ziel sei etwa, in der Tierwohlbefindensforschung Fortschritte zu machen, sagt Speitkamp. Es gehe dabei etwa um die Frage, wann sich eine Kuh wohlfühle. „Braucht sie nur genug zu essen? Wie wichtig ist Freilauf? Und was bringt Musikbeschallung, wie sie in einigen Höfen schon versuchsweise zum Einsatz kam?“

Auch soll aufgearbeitet werden, wie Tiere in der Kunst dargestellt werden und wie sich das Tierbild der Menschen historisch verändert hat. „Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit gab es noch Gerichtsprozesse gegen Tiere, wenn sie Menschen verletzt hatten. Man ging davon aus, der Teufel sei in sie gefahren.“

Interessant sei auch die Frage, woher die Zuschreibungen von Eigenschaften kämen, die die Menschen mit bestimmten Tieren verbinden: Der schlaue Fuchs, die hinterlistige Hyäne, der starke Löwe. Damit würden sich die Wissenschaftler ebenso beschäftigen wie mit der Nähe des Menschen zu bestimmten Tieren und seiner Hemmung, diese zu töten. Die Mücke werde zerdrückt, die Katze gestreichelt.

Was unterscheidet uns?

Nicht zuletzt wollen sich die Kasseler Forscher mit dem befassen, was den Menschen unterscheidbar macht vom Tier. „Warum sind wir so sicher, dass wir etwas Besseres sind?“ Dass dieser Debatte oft ausgewichen werde, dahinter stecke die Angst des Menschen, dass er auch nur ein Tier ist.

Von Bastian Ludwig

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