Bild ist aktuell in Privatbesitz

Gemälde von 1936 aufgetaucht: Winterliche Ansicht der Kasseler Martinskirche soll verkauft werden

Aus dem Jahr 1936: Das Gemälde von Peter Ludwig Foerster zeigt die winterliche Kasseler Altstadt mit der Martinskirche vor der Zerstörung.
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Aus dem Jahr 1936: Das Gemälde von Peter Ludwig Foerster zeigt die winterliche Kasseler Altstadt mit der Martinskirche vor der Zerstörung. Das ganze Bild sieht man, wenn man oben rechts auf das Symbol klickt.

So wie auf diesem Gemälde wird die Martinskirche niemand mehr sehen. Es entstand im Winter 1936.

Kassel - Keine sieben Jahre später ging das alte Kassel im Feuersturm der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 unter. Die Ansicht, die der Maler Peter Ludwig Foerster damals festhielt, ist ein Stück Stadtgeschichte und befindet sich seit vielen Jahren in Privatbesitz.

Der 84-jährige Norbert Cambeis, der in Kassel geboren wurde und hier auf die Waldorfschule ging, will es jetzt verkaufen. „Ich würde mich freuen, wenn das Bild nach Kassel käme und auch ausgestellt würde“, sagt er. Der Erlös soll in seine gemeinnützige Umweltstiftung fließen, die er im Andenken an seine verstorbene Frau gegründet hat.

Das Gemälde „Kassel 1936 – Blick über die winterliche Altstadt zur Martinskirche“ ist 1,08 Meter hoch und 82 Zentimeter breit. 1936 hat es der Vater von Norbert Cambeis direkt vom Künstler gekauft. Foerster, der später unter anderem in Dessau und Berlin arbeitete, hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon einen Namen gemacht. In Kassel malte er mehrere Stadtansichten, darunter das Bild mit der Martinskirche, auf das Walter Cambeis aufmerksam wurde. Der hatte in den 1930er-Jahren die technische Leitung beim Großunternehmen Henschel.

Die Familie wohnte damals an der Baunsbergstraße in Bad Wilhelmshöhe. Da hing das Bild mit der winterlichen Martinskirche einige Jahre. Sowohl bei dem Wechsel zu den Junkers-Werken in Dessau, der Flucht nach Kriegsende, der Rückkehr nach Kassel zu Henschel und dem erneuten beruflichen Wechsel zu Krupp in Essen war das Gemälde immer dabei. Heute hängt es im Haus von Norbert Cambeis in dem kleinen Ort Stoetze zwischen Lüneburg und Uelzen.

„Ich bin jetzt so weit, dass ich mich davon trennen möchte“, sagt der frühere Inhaber einer spezialisierten Schiffsausrüstung in Bremen. Deshalb könnte das Ölbild schon bald an seinen Entstehungsort zurück. Kontakte zum Stadtmuseum gab es bereits. Der von einer Gutachterin angegebene Wert im oberen vierstelligen Bereich ist dabei eine größere Hürde, aber nicht die einzige. „Wir haben keinen Etat für so einen Ankauf“, sagt Museumsleiter Kai Füldner. Und selbst wenn die Finanzierung durch Förderer realisiert werden könnte, sei es damit noch nicht getan. Es gebe bereits einige vergleichbare Gemälde im Depot.

Als Neuerwerbung würde man das Bild sicher erst einmal zeigen. Danach gebe es angesichts der begrenzten Ausstellungsfläche wahrscheinlich kaum noch die Gelegenheit. Das ist auch Norbert Cambeis bewusst. Er würde sich freuen, wenn das Bild zum Beispiel in den Kundenräumen einer Bank oder in einem anderen für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereich gezeigt würde. (Thomas Siemon)

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