Nachruf auf Uniprofessor und Altersforscher Hartmut Radebold und Ehefrau Hildegard

Ehepaar hatte Bestseller übers Älterwerden geschrieben

Hildegard und Hartmut Radebold starben in Kassel im September 2021. Hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2009.
+
Hildegard und Hartmut Radebold auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2009.

Am 15. und am 17. September sind in Kassel Hartmut und Hildegard Radebold gestorben. Hartmut Radebold hat sich als Experte für Psychotherapie für Ältere an der Uni Kassel einen Namen gemacht. Mit seiner Frau Hildegard, einer Bibliothekarin, schrieb er einen Bestseller übers Älterwerden.

Kassel. Als Autoren ihres gemeinsam geschriebenen Buches „Älterwerden will gelernt sein“ landeten Hildegard und Hartmut Radebold 2009 einen Bestseller. Die erste Auflage war nach einem Monat vergriffen.

Jetzt ist das Ehepaar innerhalb von zwei Tagen gestorben: Hildegard Radebold im Alter von 79 Jahren am 15. und Hartmut Radebold mit 86 Jahren am 17. September.

Die Ratschläge, die sie Älterwerdenden in ihrem Buch gaben, haben sie selber befolgt: Ihr großes Haus mit Garten im Landkreis Kassel hatten sie als Rentner verkauft, nachdem die zwei Kinder ausgezogen waren. Sie zogen nach Kassel in eine selbstentworfene barrierefreie Wohnung und ÖPNV-Anbindung. Nach den Vorteilen des Älterwerdens gefragt, hatte Hartmut Radebold im HNA-Interview gesagt: „Ich kann mir aussuchen, was ich tun will.“

Nach Nordhessen war der in Berlin geborene Mediziner und Experte für Psychotherapie von Älteren gekommen, um 1976 an der Uni Kassel den Lehrstuhl für Klinische Psychologie anzutreten. Er war als Arzt für Nervenheilkunde, Psychoanalyse und -therapeutische Medizin unter anderem Lehr- und Kontrollanalytiker der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung sowie Gründungsmitglied des Alexander-Mitscherlich-Instituts.

Radebold arbeitete als Oberarzt in der Abteilung Geriatrie des Städtischen Behring-Krankenhauses in Berlin. Bevor er die Professur in Kassel annahm, war er Leiter der Ambulanz und Oberarzt der Abteilung Psychotherapie der Uni Ulm. Seine Forschungen in der Psychotherapie Älterer nahm Jahrzehnte seines Lebens ein. Einer seiner Schwerpunkte war das Thema „Kriegskinder“, zu denen er selbst gehörte. In Interviews hatte er von seinen traumatischen Erlebnissen als Kind in Berlin erzählt, von Bombennächten, Beschuss und an Bäumen gehenkte Deserteuren. In seinem beachteten Buch „Die dunklen Schatten unserer Vergangenheit“ warb er dafür, die Kriegskinder innerhalb eines schuldbeladenen Volkes als Unschuldige anzusehen. Zu seinen Auszeichnungen zählte das Bundesverdienstkreuz.

Hildegard Radebold, geboren in Jena, war von Beruf Bibliothekarin. Nach einer Kinderpause stieg sie 1994 wieder in den Beruf ein, baute ein ländliches Bücherei-System auf und leitete eine Stadtbücherei. Außerdem war sie Rezensentin von Kinder- und Jugendbüchern. (Christina Hein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.