SPD-Unterbezirksparteitag: Straffere Organisation gefordert 

Jürgen Kaiser

Kassel. Wolfgang Decker offenbarte das Problem der Kasseler SPD gleich zu Beginn des Unterbezirksparteitages am Samstag: Der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Kassel-Stadt verlas zum Gedenken eine lange Liste der im vergangenen Jahr verstorbenen Parteimitglieder.

Mit den alten Genossen stirbt auch die Partei – zuletzt langsamer, aber stetig. Auch wenn der Mitgliederschwund nicht allein Problem der SPD ist, will sich die Partei nun eine Straffung verordnen.

Im Philipp-Scheidemann-Haus, wo 142 Delegierte zusammenkamen, wurden noch keine konkreten Pläne geschmiedet, wie sich die Partei zukünftig ordnen will. Aber der Vorsitzende Jürgen Kaiser machte klar, dass es eine Neuorganisation der Gremien und Strukturen geben müsse. Diese seien noch auf einst 6000 Mitglieder ausgelegt – Ende 2011 hatten noch 1560 Kasseler das SPD-Parteibuch.

Mitgliederschwund gebremst

Kaiser bezeichnet es als einen Erfolg, dass der Mitgliederrückgang (Minus 41 im Jahr 2011) zuletzt langsamer voranschritt. Weil aber 60 Prozent der Mitglieder älter als 60 Jahre sind, wird sich der Parteivorstand etwas einfallen lassen müssen, um die Trendwende zu schaffen. Peter Carqueville, Beisitzer im Unterbezirksvorstand, zeichnet ein düsteres Bild: „Wenn wir die jährlichen Beitritte in den kommenden fünf Jahren nicht wenigstens vervierfachen, dann werden wir bald keine funktionsfähige Partei mehr darstellen.“

Die Frage, ob und welche SPD-Ortsvereine zusammengelegt werden müssen, will Kaiser der Parteibasis überlassen. Auf einer Veranstaltung im August solle nach Auswegen aus der Mitgliedermisere gesucht werden, die wegen der fehlenden Mitgliedsbeiträge auch finanzielle Probleme aufwirft.

Jusos als „Impulsgeber“

Die Jungsozialisten (Jusos) halten sich unterdessen für den Impulsgeber innerhalb der Partei. Die Jusos seien Garant dafür gewesen, dass inhaltliche Debatten überhaupt noch stattfinden, sagte Juso-Vorsitzender Johannes Gerken. Eine Äußerung, die Norbert Sprafke, Geschäftsführer des Unterbezirks, nicht auf die Goldwaage legen will: „Das gehört bei den Jusos dazu. Die müssen Wind machen.“

Mit Dr. Bernd Hoppe wurde ein weiteres Sorgen-Thema der SPD angeschnitten. Der Parteiaustritt ihres ehemaligen Vorsitzenden sei bedauerlich, aber nicht abzuwenden gewesen, sagte Kaiser: „Wir haben mit aller Sensibilität versucht, sein Ausscheiden zu vermeiden. Er war aber nicht so kompromissbereit.“

Der Kirchditmolder Rechtsanwalt hatte seinen Hut genommen, weil ihm die Parteiführung vorgeworfen hatte, mehrere Tausend Euro Schulden beim SPD-Unterbezirk aus nicht satzungsgemäß abgeführten Mandatsträger-Abgaben zu haben.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.