Genügend Zeit zum Reinwachsen

Kasseler Traditionsbetrieb Fenster Walter setzt auf frühe Nachfolgeregelung

Haben die Nachfolge frühzeitig geregelt: Simon Dethleffsen (Mitte) ist seit Kurzem neben den Brüdern Gerd (rechts) und Frank Walter Geschäftsführer des Handwerksunternehmens Walter Fenster + Türen.
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Haben die Nachfolge frühzeitig geregelt: Simon Dethleffsen (Mitte) ist seit Kurzem neben den Brüdern Gerd (rechts) und Frank Walter Geschäftsführer des Handwerksunternehmens Walter Fenster + Türen.

Betriebsübergaben scheitern nicht selten daran, dass zu spät nach einem Nachfolger gesucht wird. Diesen Fehler wollten die Brüder Frank und Gerd Walter vom Kasseler Handwerksunternehmen Walter Fenster + Türen nicht machen.

Kassel – Die beiden 59 und 56 Jahre alten Geschäftsführer haben ihre Nachfolge bereits eingeläutet, obwohl sie noch lange nicht ans Aufhören denken.

„Ich bin erst in die Familie gekommen und dann ins Unternehmen“, sagt Simon Dethleffsen. Der 27-Jährige ist der Schwiegersohn von Gerd Walter und seit Anfang Februar Mitglied der Geschäftsführung. Der gebürtige Flensburger lernte seine Frau während seiner Studienzeit in Friedrichshafen kennen. Der Wirtschaftswissenschaftler entdeckte schnell, dass ihn Innovationen und Veränderungsprozesse in Unternehmen besonders interessieren.

„Ich finde die Frage spannend, wie man mit den Menschen, die in einem Betrieb arbeiten gemeinsam ein Zukunftsbild entwickeln kann, hinter dem dann auch alle stehen“, sagt Dethleffsen. Dieser Faszination ging er in Studium und Beruf nach und arbeitete im Anschluss an sein Master-Studium an der Leuphana Universität Lüneburg in einer Innovationseinheit der Unternehmensberatung Deloitte.

„Parallel stand innerhalb der Familie immer die Frage im Raum, was langfristig mit Walter Fenster passiert“, sagt Dethleffsen. Schon seit Jahren habe er sich mit Frank und Gerd Walter auf privater Ebene darüber ausgetauscht, wie man den Betrieb entwickeln könne. „Auch vor dem Fensterbau machen Themen wie Digitalisierung nicht halt“, so der 27-Jährige. Irgendwann hätten sie sich dann gefragt, warum der Austausch immer nur privat bleibe.

„Ich habe dann hinterfragt, was ich eigentlich erreichen möchte und habe gemerkt, dass ich nicht nur beraten, sondern Verantwortung übernehmen und Entscheidungsmöglichkeiten haben möchte.“ Die Vor- aber auch die Nachteile der Kündigung einer festen Stelle und einer Betriebsübernahme waren Dethleffsen dabei bewusst. „Aber die Motivation zu gestalten wiegt schwerer als die Suche nach der ganz großen Sicherheit.“

Er habe auch darüber nachgedacht, ein Start-up zu gründen, entschied sich aber für den Familienbetrieb und damit auch für einen Umzug von Hamburg nach Kassel. „Ich finde hier schon tolle Mitarbeiter und ein etabliertes Geschäftsmodell vor und kann den Betrieb gleichzeitig weiterentwickeln“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Auch das enge familiäre Verhältnis war für Dethleffsen kein Hindernis. „Ich sehe das als Chance. Wenn es gut läuft, ziehe ich Kraft daraus.“

Die Veränderungsbereitschaft von Frank und Gerd Walter sei ein weiterer Grund für seine Entscheidung gewesen. „Sie haben gewusst, dass es Veränderungen gibt, wenn ich komme, und wollen das mitgehen, auch wenn es unbequem ist.“ Wenn der Inhaber klammere oder in althergebrachten Strukturen verharre, sei die Nachfolge sicherlich ebenso schwieriger wie bei einer Übergabe von heute auf morgen.

Die frühzeitige Regelung hält Dethleffsen da für den besseren Weg. Während Frank und Gerd Walter in etablierter Aufgabenteilung weiterarbeiten, wird er sich zunächst auf Digitalisierungsprojekte, Prozessoptimierung und die Weiterentwicklung des gut 50 Mitarbeiter starken Betriebes konzentrieren.

„Die gemeinsamen Jahre sind eine fruchtbare Zeit. Ich kann von den beiden lernen, Impulse geben und reinwachsen“, sagt Dethleffsen.

Von Nicole Schippers

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