Mathematikdidaktiker entwickeln für Schulen Rechenaufgaben mit Kassel-Bezug

Mit dem Geodreieck in die City

Rechnen am Rahmenbau: Die Lehramtsstudentinnen Lisa Görz (links) und Melanie Vogt (Dritte von links), Professor Matthias Ludwig (Uni Frankfurt) und Prof. Dr. Rita Borromeo Ferri (rechts) entwickeln Mathematikaufgaben speziell für Sehenswürdigkeiten in Kassel und Frankfurt. Foto: Schaffner

Kassel. Welche Steigung überwindet der Himmelsstürmer am Kulturbahnhof? Welche Strecke überbrückt die Treppenstraße? Und wie viele Liter Wasser verbrauchen die Wasserspeier auf dem Königsplatz pro Tag? Geht es nach Prof. Dr. Rita Borromeo Ferri, Mathematikdidaktikerin an der Uni Kassel, beantworten Kasseler Schüler diese Fragen künftig im Mathe-Unterricht - allerdings nicht im Klassenzimmer, sondern unmittelbar in der City.

Möglich macht das ein sogenannter mathematischer Wanderpfad mit 100 städtespezifischen Rechenaufgaben fürs Smartphone, die Borromeo Ferri derzeit mit Prof. Dr. Matthias Ludwig von der Universität Frankfurt sowie 60 Lehramtsstudenten beider Hochschulen entwickelt.

„Kassel hat eine ganze Reihe besonderer Plätze, an denen einerseits Mathematik ganz offen zutage tritt, andererseits Mathematik im Verborgenen schlummert“, sagt die 36-jährige Professorin. Egal ob Treppenstraße, Karlskirche oder der Rahmenbau - Algebra, Geometrie und Stochastik existierten nicht nur im Klassenraum, sondern überall, wo beispielsweise Gebäude und Kunstwerke stehen, sagt Borromeo Ferri.

Nachdem die Studenten die Aufgaben für die vierte bis zwölfte Klasse erarbeitet hatten, haben die Projektteams aus Kassel und Frankfurt sie am Wochenende jeweils vor Ort getestet. Borromeo Ferri und Ludwig rechnen damit, dass ihre Aufgabenreihe Lehrern ab Herbst über eine Smartphone-Anwendung zur Verfügung stehen wird. „Da Smartphones in der Lage sind, den Standort über GPS zu lokalisieren, führen sie wie ein Navi zu den Aufgaben an den bestimmten Plätzen der Stadt“, sagt Ludwig.

Stehen Winkelfunktionen auf dem Lehrplan, könnten Klassen künftig beispielsweise zum Himmelsstürmer wandern und dort mithilfe der Smartphone-App sowie Geodreieck, Maßband und Taschenrechner die Steigung ausrechnen. „Viele der Aufgaben lassen sich wirklich nur vor Ort lösen“, sagt Borromeo Ferri. So bekämen Schüler auch einen praktischen Bezug zur Mathematik.

Von Sebastian Schaffner

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