Es könnte zu Stellenabbau kommen

Geplante Übernahme von K+S: Grubenschließungen möglich

Weißes Gold: In den Gruben an der Werra fördert der Dax-Konzern K+S hochwertiges Kali. Doch die Produktion ist vergleichsweise teuer. Welche Bedeutung eine Übernahme durch die kanadische PCS hätte, ist offen. Foto: dpa

Der Kali-Produzent PCS hat sieben Mrd. Euro für K+S geboten. Was das für die deutschen Standorte und Beschäftigten in der Region bedeuten könnte, lesen Sie hier.

Was ist eine freundliche Übernahme?

Es ist eine einvernehmliche Übernahme, der alle Beteiligten zustimmen. Der Käufer macht ein Angebot, und wenn Vorstand, Aufsichtsrat, Belegschaft und Aktionäre darin einen Vorteil beziehungsweise ihre Interessen gewahrt sehen, stimmen sie zu und empfehlen den Verkauf.

Und wie verläuft eine feindliche Übernahme? 

Dann werden Aktien gegen den Willen des Übernahmeziels gekauft, und in der Regel gibt es keine Vereinbarungen über Standort- und Beschäftigungssicherung.

Wie viel bietet PCS für den Kasseler Dax-Konzern? 

Ein Kaufpreis ist nicht genannt worden. In Unternehmenskreisen kursieren 40 Euro je Aktie, was einem Preis von fast 7,7 Milliarden Euro entspräche. In der Regel wird das erste Angebot aufgestockt.

Wie stehen die Chancen, dass eine wie auch immer geartete Übernahme gelingt? 

Recht gut, weil sich gut 80 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden und somit frei gehandelt werden und weil ein ebenso großer Anteil von ausländischen Eignern gehalten wird und die keine nationale, geschweige denn regionale Bindung haben.

Was passiert, wenn K+S das Angebot ablehnt? 

Dann könnte PCS eine feindliche Übernahme starten. Wenn nicht alle verkaufen, können die Kanadier die restlichen Aktionäre über das „squeeze out“ – ein Zwangsverkauf – herausdrängen, wenn sie zuvor 75 Prozent der Anteile eingesammelt haben.

Was könnte denn noch passieren? 

Es könnte ein „Weißer Ritter“ auftauchen, also ein weiterer Bieter, der ein besseres Angebot und größere Zugeständnisse macht. In solchen Fällen entbrennt erfahrungsgemäß ein teurer, mitunter langer Bieterkampf.

Wer kann das Geschäft stoppen. 

Wenn überhaupt, die deutschen oder die europäischen Kartellwächter. Weil PCS aber im Inland und in Europa keinen nennenswerten Marktanteil hat, ist diese Wahrscheinlichkeit gering.

Welche Strategie verfolgt PCS?

Das ist noch nicht genau bekannt. Ein Teil der Analysten glaubt, dass PCS mittelfristig nur am K+S-Vertrieb und den Kunden interessiert ist. Außerdem würde es auch das laufende Bergwerksprojekt der Kasseler in Kanada bekommen, zur weltweiten Nummer eins aufsteigen, die Kontrolle über weitere Kapazitäten gewinnen und seinen Einfluss auf den Weltkalipreis erhöhen.

Was bedeutet das für Standorte und Beschäftigte in Deutschland? 

Das kann noch niemand sagen. Aber Arbeitnehmer und Analysten sehen mittelfristig beides in Gefahr, weil die Kanadier daheim preiswerter produzieren können – auch weil die Umweltauflagen nicht annähernd so hoch sind.

Heißt das, dass hunderte von Millionen für den Gewässerschutz zu einer Schließung der Gruben, insbesondere jener in Hessen führen könnte?

Nicht unmittelbar. Aber wenn aufgrund von Umweltauflagen die Produktion in Deutschland unverhältnismäßig teurer würde, wüchse der Druck auf Standorte und Mitarbeiter – am Ende könnte es zu Stellenabbau und Standortschließungen kommen.

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