Hunderte Supermarkt-Kunden betroffen

Gerät späht Code aus: Fragen und Antworten zu Betrugsfällen

Kassel. Betrüger haben die EC-Kartendaten von Kunden ausgespäht, die beim Einkaufen in Supermärkten mit der EC-Karte bezahlt haben. Betroffen sind bisher drei Lebensmittelmärkte in Niestetal-Sandershausen sowie an der Leuschnerstraße und an der Holländischen Straße in Kassel.

Hat sich die Zahl der Strafanzeigen in Kassel mittlerweile erhöht?

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Laut Polizei sind bereits deutlich mehr als 100 Strafanzeigen eingegangen und die Anzahl erhöhe sich derzeit täglich. „Wir befürchten ein Anzeigenaufkommen von mehreren Hundert Strafanzeigen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch.

Wie läuft diese Betrugsmasche, das Skimming, ab?

Beim Skimming geht es um das Ausspionieren der PIN-Nummer und weiterer Kontodaten. Das kann per Minikamera erfolgen, die Betrüger schauen dann dem Besitzer einer EC-Karte auf die Finger. Es ist aber auch Technik nötig, um die Kartendaten auszulesen.

Wie sind die Täter in den aktuellen Fällen vorgegangen?

Nach Erkenntnissen der Polizei haben die Täter während der Ladenöffnungszeit unbemerkt Aufsatzgeräte in Form einer genau nachgebildeten Oberschale auf die mobilen EC-Kartenlesegeräte aufgesetzt. Später werden die Oberschalen dann in einem unbeobachteten Moment von den Tätern in den Märkten wieder einkassiert. Die Täter kopieren die ausgespähten Daten aus einem Speicher in der Schale.

Welche Geräte setzen die Betrüger ein?

Die Nachbildungen der Oberschale der Lesegeräte lassen sich passgenau aufsetzen und sind in der Regel mit einem doppelseitigen Klebeband fixiert. Die Aufsätze sind mit einer Stromversorgung ausgestattet und registrieren den Eingabevorgang. Dabei werden sowohl die Kartendaten als die dazu vom Kunden eingegebene PIN festgehalten. Das Terminal funktioniert weiterhin problemlos.

Wo bekommen die Täter die Aufsätze her?

Bei der Elektronik handelt es sich vermutlich um Bauteile, die fachkundig zusammengebaut werden. „Wir gehen davon aus, dass die Täter arbeitsteilig arbeiten“, sagt Jungnitsch. Fachleute stellen die Aufsätze her, andere setzen sie in den Geschäften ein.

Haben Laien eine Chance, die Geräte zu erkennen?

Für Kunden ist es unheimlich schwer, die Unterschiede zu erkennen. Die Polizei rät Einzelhändlern, die Terminals genau im Auge zu behalten und sie regelmäßig zu überprüfen. Auffällig sind die leicht erhöhte Bauform und ein kleiner Luftspalt rings um die Anzeige. Einige Geschäfte schützen sich jetzt schon vor dieser Art Skimming, indem sie Kabelbinder um die Ober- und Unterschale der Terminals einsetzen. Dann ist ein schnelles Aufsetzen unmöglich.

Was kann ich tun, wenn ich Opfer werde?

Bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit einer Abbuchung sollte man sich sofort an sein Geldinstitut wenden. Die Bank ersetzt den Schaden in der Regel. Voraussetzung ist eine Strafanzeige bei der Polizei. Diese ist auch online unter www.polizei.hessen.de/onlinewache möglich (gör)

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