Vor Gericht: 26-Jährige wollte sich und ihre Kinder töten

Kassel/Felsberg. Die 26-jährige Sabrina H. aus Bad Wildungen muss sich seit Donnerstag wegen zweifachen Mordversuchs an ihren Kindern vor dem Kasseler Landgericht verantworten.

Laut Anklage soll sie versucht haben, am 12. März 2009 in Felsberg ihre damals achtjährige Tochter Laura und ihren fünf Jahre alten Sohn Niklas in ihrem Auto mit Abgasen zu töten. Die Tochter konnte sich aber aus dem Auto befreien und alarmierte Anwohner, die die Polizei riefen. Die Polizei fand dann Mutter und Sohn im Auto. Beide waren bewusstlos und überlebten.

Verurteilt: 26-Jährige wollte sich und ihre Kinder töten

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Hintergrund der Tat war laut Anklage eine Ehekrise. Der Ehemann hatte Sabrina H. verlassen. Daraufhin beschloss die Frau wohl, mit ihren Kindern aus dem Leben zu scheiden. Dass die Kinder - sie leben heute bei dem Vater - und die Mutter noch am Leben sind, ist nur dem schnellen Handeln der damals acht Jahre alten Laura zu verdanken.

Ihre Mutter hatte ein Rohr am Auspuff befestigt, um die giftgen Abgase über den Kofferaum ins Wageninnere zu leiten. Den Kofferaum hatte sie mit Decken abgedichtet. Als das Gas strömte, hielt Laura die Luft an, hielt sich die Nase zu und zähte die Sekunden. Alle 30 Sekunden fragte sie ihre Mutter, wie lange es noch dauere.

Als ihre Mutter auf dem Fahrersitz nicht mehr reagierte, verließ das Kind das Auto. Dann versuchte sie, ihren Bruder zu retten. Als das misslang, öffnete die Achtjährige die Wagentüren und versuchte, Autos anzuhalten. Als das nicht klappte, rannte sie zum nächsten Haus und klingelte. Dort schilderte sie einer Frau die Situation. Die alarmierte die Polizei. Warum sie den Entschluss fasste, ihre Kinder und sich selbst zu töten, konnte die Angeklagte am Donnerstag vor Gericht nicht sagen. Sie habe keine Erinnerungen an die Tat. Sie habe neben sich gestanden, sagte Sabrina H.

Es sei so gewesen, als ob sie ihren eigenen Zwilling beobachtet habe. "Ich bin nicht der Typ, der einen Selbstmord macht", sagte sie.

Kontakt zu ihren Kindern darf Sabrina H. heute hicht mehr haben. Alle vierzehn Tage besuchen sie ihre Oma, die Mutter von Sabrina. Wie es den Kindern geht, sage ihr ihre Mutter nicht, erklärte Sabrina H.

Sabrina H. war 16 Jahre alt, als sie Laura zur Welt brachte. Als sie 18 war, heiratete sie ihren Mann Alexander, der acht Jahre älter ist. Der gemeinsame Sohn Niklas wird 2002 geboren, Alexander H. adoptiert Laura. Die Ehe ist von Krisen geprägt. Sie hat wohl Affären, er hat Freundinnen. Man trennt sich öfter und kommt wieder zusammen. Vor allem für Sabrina ist Alexander wohl die große Liebe. Möglicherweise kann sie nicht mit dem Mann, aber auch nicht ohne ihn leben.

Wenige Wochen vor der Tat lernt Alexander eine neue Frau kennen, mit der er heute noch zusammenlebt. Vielleicht schwant Sabrina nun, dass der Bruch jetzt endgültig ist. Sie schreibt Abschiedsbriefe, an die sie sich heute nicht mehr erinnern kann oder will. Einer lautet: "Ich liebe Dich so sehr, dass ich ohne Dich nicht leben kann. Die Mäuse sollen solche Schmerzen nie erleben, darum bleiben sie an meiner Seite". Und am Tattag schickt sie ihrem Mann diese SMS: "Heute Nacht werden drei Sterne geboren, die nur für Dich leuchten werden". Alexander H. kann sich als Zeuge vor Gericht nicht daran erinnern, eine solche SMS erhalten zu haben.

Sabrina H. fährt mit ihren Kindern am Abend zu einem Waldstück bei Felsberg. Sie sagt ihren Kindern, dass sie einen Stern am Himmel beobachten wollen. Das sei ihr Hund Angel, der einen Tag zuvor eingeschläfert werden musste. Dann steckt Sabrina H. das Rohr auf den Auspuff, dichtet den Kofferraum ab und gibt Gas. Der Prozess wird am 19. Januar um 13.30 Uhr fortgesetzt.

Von Frank Thonicke

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