Nebenklage-Anwalt kündigt Rechtsmittel an

Gericht erkennt Notwehr: Freispruch in Prozess um A7-Schlägerei

Kassel. Sehr lange überlegen, musste Richterin Schiborr am Ende nicht mehr. Im Prozess um eine Neujahrsschlägerei unter starkem Alkoholeinfluss in der Disko A7 sprach sie den 27-jährigen Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei.

Ihr waren zum Tathergang ebenso viele Zweifel geblieben wie zuvor schon der Vertreterin der Staatsanwaltschaft. „Hier und heute bin ich nicht in der Lage zu sehen, was tatsächlich gewesen ist“, hatte Oberamtsanwältin Gros in ihrem Plädoyer gesagt. Bewiesen sei, dass bei dem 22-jährigen Nebenkläger am 6. Januar 2011 eine Impressionsfraktur festgestellt worden sei. Doch was genau sich in den frühen Morgenstunden des 1. Januar im A7 ereignet habe, habe sich nicht klären lassen. Es könne sein, dass die Version des Angeklagten stimme - es könne auch sein, dass die des Nebenklägers richtig sei. Doch im Zweifel sei der Angeklagte freizusprechen.

Ein Grund von vielen für viele Zweifel: Der Nebenkläger habe drei verschiedene Versionen des Tatablaufs geliefert - bei der Polizei, in seiner Strafanzeige und jetzt vor Gericht. Auch Zeugen hätten ihre Schilderungen verändert.

Die einzige Aussage, die stets gleich geblieben sei, sei die des Angeklagten, so Gros. Der sage, er sei vom Nebenkläger beleidigt worden: „Was grinst Du mich so blöd an, Du Arsch?!“ Er sage, der 22-Jährige habe das Mädchen neben ihm weggeschubst - und dann: „Er hat mich geschlagen, da habe ich zurückgeschlagen und ihn im gleichen Moment gepackt und auf den Tresen gehauen.“ Er gebe an, er habe das getan, um zu verhindern, dass er weiter angegriffen werde.

Im Zweifel für den Angeklagten

Richterin Schiborr betonte, das Gericht bezweifele nicht, dass der Nebenkläger seine Verletzungen durch den Angeklagten erlitten habe. Dem 27-Jährigen habe aber nicht widerlegt werden können, dass er in Notwehr handelte.

Der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Bernd Stein, erklärte noch im Gerichtssaal, gegen das Urteil würden Rechtsmittel eingelegt. Er hatte eine Geldstrafe für den 27-Jährigen und Schmerzensgeld für seinen Mandanten gefordert - und beklagt, die Staatsanwaltschaft habe kein Interesse an dem Verfahren gehabt.

Dafür, dass nicht schon das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde, hatte offenbar der Vater des 22-Jährigen, ein Polizist, gesorgt - unter anderem mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Der Rolle des Vaters sei man mit großer Akribie nachgegangen, beklagte Stein. Die Rolle von Täter und Opfer seien völlig verkehrt worden.

Zum 1. Januar 2011 sagte Stein, es habe „eine ungeschickte, provozierende Äußerung“ seines Mandanten gegeben. Aber nichts, was das, was folgte rechtfertigte. Das habe auch mit „Notwehr nicht zu tun“.

Von Katja Schmidt

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