Zwei Jahre und vier Monate Haft

Ex-Bauunternehmer aus Kassel muss ins Gefängnis

Kassel. Völlige Gleichgültigkeit. Gegenüber Recht und Gesetz wie gegenüber den Subunternehmen, die er beauftragte, aber nicht bezahlte. Dieses harte moralische Urteil fällte das Kasseler Amtsgericht über einen 45-Jährigen aus Kassel, der jahrelang als Bauunternehmer tätig war - und dabei Straftat um Straftat begangen hat.

Das juristische Urteil fiel dafür, wie Richter Mario Hirdes betonte, „äußerst maßvoll“ aus: Für zwei Jahre und vier Monate soll der Angeklagte ins Gefängnis. An fünf Verhandlungstagen hatte das Gericht aufzuarbeiten versucht, was der Kasseler mit seinem Geschäftsgebaren in den Jahren 2007 bis 2012 angerichtet hat - und kam auf einen Gesamtschaden von rund 60 000 Euro. Es ging um Betrug, Untreue und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt. Und das nicht zum ersten Mal.

Sechs einschlägige Vorstrafen hat der Mann kassiert, seit er sich 2003 als Bauunternehmer selbstständig gemacht hatte. Zweimal musste er den Offenbarungseid ablegen. Und wegen Unzuverlässigkeit wurde ihm schließlich sogar verboten, weiter sein Gewerbe zu betreiben. Und doch machte er immer weiter. Selbst eine Haftstrafe hinderte ihn nicht: Noch aus dem offenen Vollzug heraus beging er den nächsten Betrug.

So engagierte er 2009 für Zimmerarbeiten auf einer Baustelle in Vellmar eine Firma aus Borken, beauftragte sie mit Arbeiten für 18 000 Euro - und zahlte bis heute keinen Cent. Seine Hoffnung, irgendwie irgendwann noch zahlen zu können, sei von vornherein „auf Sand gebaut“ gewesen, sagte Richter Hirdes. Das habe der Mann wissen müssen. Auch wenn er keinerlei Buchführung betrieb. Schulden um Schulden häufte der Bauunternehmer bei Subunternehmern an. Für seine Beschäftigten führte er keine Beiträge zur Sozialversicherung ab.

Und als er seine „unsägliche Selbstständigkeit“, wie es Verteidiger Marcus Mauermann ausdrückte, 2011 endlich aufgab und als angestellter Hausmeister arbeitete, veruntreute er Mieteinnahmen und Kautionen, um die drängendsten seiner Gläubiger zu befriedigen. Vor dem Hintergrund all dieser Vorwürfe, die der Mann nach anfänglichem Beschönigen doch noch zugab, wurden zwei weitere Anklagepunkte eingestellt - weil sie laut Gericht und Staatsanwaltschaft ohne aufwendige Gutachten nicht aufzuklären seien.

Und weil sie angesichts der Flut der Taten beim Strafmaß ohnehin nicht mehr allzu sehr ins Gewicht gefallen wären. Auch der wohl schwerste Vorwurf wurde so nicht weiter verfolgt: In Spangenberg sollte der Angeklagte einen Schornstein errichtet haben, der weder betriebs- noch brandsicher gewesen sei. (jft)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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