Berufungsprozess gegen 49 Kasseler wegen Beleidigung, Bedrohung und Kopfnuss

Gericht lud falsche Zeugen

Kassel. Geladene Zeugen haben vor Gericht zu erscheinen. Fehlen sie ohne Grund, droht ihnen Ordnungsgeld und ein Besuch der Polizei, die sie zur Verhandlung holen kann. Zeugen sind auch verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Doch was sind die Pflichten des Gerichts gegenüber den Zeugen? Gelegentlich drängt sich diese Frage auf - etwa im Berufungsprozess gegen einen 49-jährigen Kasseler.

Das Amtsgericht hatte den vielfach vorbestraften Mann im Dezember zu neun Monaten Haft verurteilt: Der langjährig alkoholabhängige Kasseler habe im Juni 2010 im Rausch einem Nachbarn die Tür eingetreten, diesen und dessen Freundin beleidigt und beide bedroht. Im Oktober 2010 habe er einen hungerstreikenden Iraner beleidigt und einige Tage später einen anderen Mann per Kopfnuss verletzt. Jeweils im Rausch.

Der Staatsanwaltschaft war die Strafe zu mild - dem Angeklagten wohl zu hoch. Beide hatten Berufung eingelegt. Das Verfahren dazu sollte jetzt starten. Das passierte auch. Doch weil sich ein anderer Prozess verzögerte, begann die Verhandlung deutlich später als geplant. Obwohl eine Handvoll Zeugen zu diesem Zeitpunkt schon über eineinhalb Stunden wartete, wurde dafür auf dem Gerichtsflur Verständnis geäußert.

Doch das Warten sollte weiter andauern. Und erwies sich zum Teil als komplett sinnlos: Eine 57-Jährige und ein 39-Jähriger warteten rund drei Stunden, bis die Kammer feststellte, dass sie zu den relevanten Tatkomplexen rein gar nichts würden sagen können. Beide waren zwar einmal als Zeugen benannt worden - allerdings in Verfahren gegen den Angeklagten, die das Amtsgericht bereits eingestellt oder abgetrennt hatte. Noch vier weitere Zeugen wurden aus dem gleichen Grund nach Hause geschickt. Sie hatten jedoch nicht ganz so viel Zeit im Gerichtsflur vertan, bevor sie gehen durften.

Insgesamt waren für den Prozesstag 16 Zeugen vorgesehen. Weitere neun sollten nach ursprünglicher Planung am Freitag gehört werden. Dann wird der Fall des 49-Jährigen weiter verhandelt.

Von Katja Schmidt

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