Mehrere Taten

Häufig „Heil Hitler“ gerufen: Ex-Mitglied von Sturm 18 vor Gericht

Zeigte sich in den meisten Anklagepunkten geständig: Der 24-jährige Angeklagte, früheres Mitglied von „Sturm 18“. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Es dauerte über 20 Minuten, bis Staatsanwalt Michael Craß am Donnerstag die Anklageschrift vor dem Amtsgericht verlesen hatte. So viele Taten soll ein 24-Jähriger begangen haben.

Wegen des Verdachts der Sachbeschädigung, Bedrohung, des Missbrauchs von Notrufen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines Amoklaufs, des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz, Schwarzfahrens und weil er mehrmals den Hitlergruß gezeigt und „Heil Hitler“ gerufen haben soll, muss sich ein 24-Jähriger aus Kassel auf der Anklagebank verantworten.

Mitangeklagt ist auch ein 43-jähriger Mann wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung. Bis auf die Körperverletzung zeigte sich der 24-Jährige vor Gericht geständig. Er lieferte gleich auch mehrere Gründe für seine Taten mit: Bei jeder Straftat sei er betrunken gewesen, zudem habe er Umgang mit den „falschen Leuten“ gehabt. Er habe eine Zeit lang zu der rechtsextremen Truppe „Sturm 18“ gehört. Deshalb sei ihm wohl auch manchmal „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ rausgerutscht und er habe den rechten Arm zum Hitlergruß gehoben.

Mit Sturm 18 - der Anführer Bernd T. sitzt derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft - will der junge Mann aber angeblich nichts mehr zu tun haben. Weil die anderen Mitglieder von „Sturm 18“ ihn aber gesucht hätten, sei er auch einige Male mit dem Zug ohne Fahrkarte nach Melsungen gefahren. So erklärte der 24-Jährige seine Schwarzfahrten.

Am Arm trägt der Angeklagte übrigens ein geknüpfte Band in den Farben Schwarz, Weiß, Rot. Die Flagge des deutschen Kaiserreichs wird von Neonazis gern als Ersatz für die verbotene Hakenkreuzflagge genutzt.

„Heil Hitler“ hat der 24-Jährige unter anderem auch in einem der vielen Fälle gerufen, als er vor der Wohnung seiner Exfreundin stand und diese belästigte. Damit ignorierte er ein Annäherungs- und Kontaktverbot, das das Amtsgericht Kassel verhängt hatte. Demnach hätte er seine Exfreundin nicht anrufen und sich ihr nicht weiter als 20 Meter nähern dürfen.

Die 33-jährige Frau zitterte am ganzen Körper bei ihrer Aussage. Ihr Exfreund belästige sie seit eineinhalb Jahren, bis heute. „Er brüllt durch die Nachbarschaft. Ich kann mich in der Stadt gar nicht mehr bewegen.“ Zuletzt habe er erst am Samstag wieder vor ihrer Tür gestanden.

Mit seiner großen Liebe zu seiner Ex begründete der 24-Jährige sein Verhalten. Erst als diese Schluss gemacht habe, sei er wieder gewalttätig geworden.

„Keine Eier in der Hose“

Eine andere Freundin habe ihn übrigens dazu angestiftet, bei der Bundespolizei zu klingeln und einen Amoklauf in Bad Wilhelmshöhe anzukündigen. Erst habe er das nicht machen wollen, aber die Frau habe ihn mit dem Spruch dazu provoziert, er habe wohl „keine Eier in der Hose“.

Der Prozess wird am 18. Dezember fortgesetzt.

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