Haft für Stalker

Mann stalkte Ex-Frau und drohte mit „Blutbad“ - So entschied das Gericht

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Der Angeklagte verschickte übers Handy Drohungen wie „Heute ist Todestag“.

Ein 52-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Kassel wegen verschiedener Vergehen verantworten. Eine Psychaterin attestierte ihm eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung. 

Wegen missbräuchlicher Nutzung des Notrufes und Vortäuschen einer Straftat ist ein 52-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden. 

Mann stalkte Ex-Frau und drohte mit „Blutbad“

In die Tat floss auch die Strafe wegen der Bedrohung eines Taxifahrers ein, wegen der der Angeklagte derzeit bereits eine Haftstrafe absitzt.

Angeklagt war der Mann ursprünglich, weil er seine getrennt lebende Ehefrau über Monate hinweg gestalkt und sie und ihre Eltern mehrfach mit einem „Blutbad“ und dem Tode bedroht hatte.

Dafür konnte er allerdings von Richterin Ferchland und ihren Schöffen nicht verurteilt werden, weil er sie im Zustand der Steuerungsunfähigkeit begangen hat. 

Die Kasseler Psychiaterin Michaela Unseld hatte dem Mann eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert. Die mache es ihm unmöglich, sein Verhalten nach der als Kränkung empfundenen Trennung seiner Frau zu kontrollieren.

Attestiert: Schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung

Im September 2018 war er vor einer Bierkneipe in Kassel in ein Taxi gestiegen, dessen Fahrer er als Zeugen in einer früheren Verhandlung erkannte. Weil die Aussage des Fahrers ihm eine Haftstrafe beschert hatte, bedrohte er ihn mit dem Tod. Der Mann konnte aber fliehen.

Für diese Tat war der 52-Jährige zu vier Monaten Haft verurteilt worden. Seine dritte Ehefrau hatte er über das Internet kennengelernt, im August 2016 wurde geheiratet, das Paar zog in die Nordstadt ins Haus der Eltern der Frau.

„Am Anfang war es toll, er war total fürsorglich“, sagte die Frau als Zeugin aus. Das änderte sich bald, als der Angeklagte immer mehr Alkohol trank, die Frau kontrollierte und klammerte. Im November hielt sie es nicht mehr aus und verwies ihn der Wohnung. „Dann fing die Folter an“, sagte sie vor Gericht aus. 

Der Mann missachtete ein gerichtliches Annäherungsverbot

Einmal stieg der Mann über das Dach ins Haus ein und bedrohte die Frau. Ein gerichtliches Annäherungsverbot missachte er ständig, schlich nachts um das Haus, klingelte Sturm und schlug gegen die Scheiben. Über Whatsapp schrieb er „Heute ist Todestag“ oder „Ruf mich an oder deine Eltern sterben.“

Später rief er an der Arbeitsstelle der Frau an und behauptete, er liege mit einem Scharfschützengewehr auf der Lauer, um Bewohner zu erschießen. Mehrfach rief er den Notruf der Polizei an und gab sich als Vater der Frau aus. 

Die Beamten sollten kommen, weil der Ehemann vor dem Haus randaliere. Zwei Bombendrohungen zwangen die Frau und ihre Eltern, das Haus zu verlassen.

Bei diesen Taten war er nach Einschätzung der Psychiaterin und des Gerichts voll steuerungsfähig, deshalb wurde er auch dafür verurteilt. Bei den Stalking-Attacken hingegen war er schuldunfähig und wurde freigesprochen.

Ein ähnlicher Fall hat sich im vergangenen Jahr in Kassel abgespielt: Ein psychisch kranker Mann diffamiert immer wieder einen Kasseler-Arzt. Ein 24-Jähriger aus dem Landkreis Northeim muss sich wegen einer spektakulären Flucht vor der Polizei vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten. 

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