23-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt

Gericht: Türsteher verlor die Kontrolle

Kassel. Er habe „aus falschem Stolz“ zugeschlagen, „das war ein Fehler“, sagte ein 23-jähriger ehemaliger Türsteher vor dem Amtsgericht. Er saß wegen Körperverletzung und Nötigung auf der Anklagebank, am Donnerstag wurde er zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der 23-Jährige hat gestanden, dass er im Juli 2010 sowie im März und im Mai vergangenen Jahres Besucher misshandelt hatte. „Ich war neu in dem Beruf, ich hätte anders reagieren müssen“, räumte er ein.

Gerade mal vier Monate sei er Türsteher in der Diskothek A 7 gewesen, als der erste Vorfall passierte: Es muss am frühen Morgen nach einer durchzechten Nacht gewesen sein, als zwei angeheiterte Discobesucher – wie Zeugen vor Gericht berichteten – nicht nach Hause gehen wollten. Stattdessen verwickelten sie Türsteher in eine Diskussion. Aus dieser wurde ein handfester Streit, in dem sich der 23-Jährige dazu hinreißen ließ, auf einen Besucher einzuprügeln.

Während dieser Betroffene noch glimpflich davonkam, erlitt ein anderer, der ebenfalls die schlagenden Argumente des 23-Jährigen zu spüren bekam, nach einem Schlag aufs Ohr einen Riss im Trommelfell. An dessen Folgen leide er heute noch, sagte das Opfer vor Gericht. Einen Nasenbeinbruch erlitt ein anderer Gast, als ihm der 23-Jährige eine Kopfnuss verpasste.

Auslöser für die Auseinandersetzungen waren oft Kleinigkeiten, mitunter ergab ein Wort das andere, und irgendwann schienen Worte nicht mehr zu genügen. Offenbar fehlte es dem Angeklagten außer an Selbstbeherrschung an einer fundierten Ausbildung. „Man wurde ins kalte Wasser geworfen“, berichtete er. Zwar habe er die üblichen Prüfungen abgeschlossen, doch „es interessierte niemanden, wenn es Probleme gab“.

Streit vor laufenden Kameras

„Bei uns ist Deeskalation angesagt“, beteuerte der in der im A 7 tätigen Sicherheitsfirma für den Personaleinsatz verantwortliche Mitarbeiter als Zeuge. Doch „wo gehobelt wird, fallen Späne“. Bei Fehlverhalten von Mitarbeitern würden Feedback-Gespräche geführt. Nicht jede Anzeige gegen einen Türsteher sei gerechtfertigt. Im Falle des 23-Jährigen jedoch lagen Aufzeichnungen von Überwachungskameras vor, sodass die Vorfälle nicht zu leugnen waren.

Er quittierte inzwischen seinen Job als Türsteher. Heute arbeitet er bei einer anderen Sicherheitsfirma – allerdings in der Einsatzplanung. Er wolle den neuen Kollegen seine Erfahrungen weitergeben, „damit sie nicht dieselben Fehler wie ich machen“.

Er steht nach dem Urteil vom Donnerstag für vier Jahre unter Bewährung, außerdem muss er 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung sowie 750 Euro an den Discobesucher zahlen, dem er die Nase zertrümmert hat.

Ursprünglich hatte ein weiterer Türsteher auf der Anklagebank gesessen, das Verfahren wurde aber mit Blick auf einen anstehenden Prozess gegen ihn eingestellt. (pas)

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