Wo einst Bundesarbeitsrichter residierten, ist nur noch der Staub zu Hause

Was der Bundesrepublik in Kassel gehört: Gericht wird verkauft

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Wechselt in den kommenden Wochen den Eigentümer: Zum ehemaligen Bundesarbeitsgericht, das direkt neben dem Bundessozialgericht liegt, gehören der Kantinen-Flachbau (links), der hohe Gebäudeflügel dahinter und die Generalsvilla (rechts).

Kassel. Der Bund zieht sich aus der Stadt zurück: War bis vor wenigen Jahrzehnten in Kassel noch vieles im Eigentum der Bundesrepublik - unter anderem Kasernen - sind heute viele Gebäude verkauft.

In unserer Reihe „Wem gehört Kassel?“ zeigen wir, von was sich der Bund noch trennen will.

Er sieht zwar historisch aus, wurde aber kaum benutzt: Der Gebäudeflügel, in dem das Bundesarbeitsgericht 13 Jahre lang bis zu seinem Umzug nach Erfurt residierte, wurde erst 1986 gebaut. Er wurde in Anlehnung an das benachbarte Bundessozialgericht entworfen, das im früheren Generalkommando am Graf-Bernadotte-Platz seinen Sitz hat. Nach jahrelangem Leerstand steht nun das alte Bundesarbeitsgericht inklusive Kantinenbau und der 1937 erbauten Generalsvilla kurz vor dem Verkauf.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ist derzeit in den letzten Verkaufsverhandlungen mit einem Interessenten, sagt Karin Löber von der Bima. Wer der Käufer ist, will sie noch nicht verraten. Aber dieser wolle alle drei Gebäude zusammen erwerben. Mit dem Umzug des Bundesarbeitsgerichts 1999 nach Erfurt gab es zunächst keine Nutzung für die Immobilien. Nur von 2007 bis 2009 wurden sie kurz wiederbelebt, als das Bundessozialgericht saniert wurde und die Richter ins Nachbarhaus auswichen.

Seit fünf Jahren ist das Gericht, das inklusive Kantine und Villa über 4000 Quadratmeter Platz bietet, verwaist. Würde nicht der Staub auf allen Flächen liegen, könnte man glauben, alle Mitarbeiter seien bloß im Feierabend: Die Sitzungssäle sind noch möbliert, die Küche in der Kantine voll ausgestattet. Auch die Namen der Mitarbeiter wurden noch nicht von den Bürotüren entfernt. Die technischen Anlagen im Bunker des Gerichts sehen noch aus wie neu.

Blick ins ehemalige Bundesarbeitsgericht in Kassel 

Für zwei Sitzungssäle gelten für den Käufer der Immobilie besondere Auflagen. „Sie müssen erhalten werden. Es handelt sich um Kunst am Bau“, sagt Löber und verweist auf die hölzernen Wandreliefs in den Räumen. Wie der Käufer die Säle nutzen wird, ist noch unklar. Es wäre aber denkbar, dass andere Kasseler Gerichte die Säle für ihre Verhandlungen anmieten.

Ebenfalls strenge denkmalschutzrechtliche Auflagen gelten für die alte Generalsvilla. „Im Keller der Villa gab es angeblich mal einen Verbindungsgang in Richtung Bahnhof Wilhelmshöhe“, sagt Löber. Dieser ist aber nicht mehr sichtbar. Ein weiterer unterirdischer Tunnel zum Generalkommando (heute Sitz des Bundessozialgerichts) wurde zugemauert.

Was der Bund noch verkauft

Neben dem Bundesarbeitsgericht trennt sich der Bund derzeit von vielen weiteren Gebäuden und Grundstücken in Kassel. Die Vermarktung übernimmt, wie auch beim früheren Gericht, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

• Diese hat etwa die stillgelegte Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes an der Heinrich-Schütz-Allee, nahe des Westfriedhofs, im Angebot. Die Station war Ende 2013 nach Schauenburg-Elgershausen verlegt worden.

• Zudem werden die nicht mehr benötigten Hochbunker verkauft. Über die Bunker an der Gräfestraße und Leipziger Straße laufen nach Auskunft der Bima bereits konkrete Verhandlungen. Der Verkauf der Bunker am Marienkrankenhaus, der Agathofstraße, der Ahrensbergstraße und der Hafenstraße wird vorbereitet.

• Kurz vor dem Verkauf steht der Magazinhof  an der Leuschnerstraße, ein früheres Wehrmachts-Getreidelager.

• Zudem will die Bima Restflächen der Graf-Haeseler- und der Lüttich-Kaserne  vermarkten. Auch gehört dem Bund noch ein großer Teil der Jägerkaserne.

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