42-Jähriger wegen Körperverletzung zu Bewährung verurteilt

Gericht: Wodkanacht endete brutal

Kassel. Weil er seine Nachbarin geschlagen und mit einem Gürtel gewürgt haben soll, stand nun ein Mann in Kassel vor Gericht. Der 42-Jährige wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt.

Diese wird zur Bewährung ausgesetzt. Mit dem Gürtel will der Angeklagte nur versucht haben, die Hände seiner Nachbarin zu fesseln. Der 42-jährige Kasseler gibt zu, die Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, auch Tritte räumt er ein. Aber seinen Gürtel um ihren Hals gelegt, sagt er, das habe er nicht. Ob er da sicher sei, will das Gericht wissen. Er zuckt die Schultern: „Ich glaub’s einfach nicht“, sagt er dann. „Ich bin kein Tier.“ Das Kasseler Amtsgericht aber sieht nicht nur Tritte und Schläge, sondern auch den Gürteleinsatz als erwiesen an – und auch, dass der Mann kurz die Schlinge zugezogen hat. Es ist das erste Mal, dass der getrennt lebenden Vater eines kleinen Kindes zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird.

Er hat nach Aussage der Nachbarin Anläufe unternommen, um sich zu entschuldigen. 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit soll er im ersten Bewährungsjahr ableisten. Das Gericht rät ihm, sein Alkoholproblem zu bearbeiten. Maximal 2,68 Promille Alkohol könnte der 42-Jährige im Blut gehabt haben, als er die Nachbarin in den frühen Stunden des 19. August 2011 in seiner Wohnung malträtierte. Jener Morgen war wohl nicht nur für ihn in Wodka getränkt – sondern auch für die Geschädigte. Sie hatte mit der damals noch bei ihm lebenden Ehefrau zusammengesessen als der Angeklagte nach Hause kam. Was genau der Auslöser für dessen Attacke war, klärt sich am Dienstag nicht. Fesseln habe er in seiner Heimat in der Ausbildung für eine Anti-Terror-Einheit gelernt, berichtet der Angeklagte. Unter dem Fall tun sich Gruben voller Elend auf – und etliche Fragezeichen.

Der 42-Jährige etwa schildert, dass seine Frau und er einige Wochen vor jenem Augustmorgen ein Baby verloren hätten. Er lastet den Tod des Kindes im Mutterleib der Nachbarin an. Seine Frau habe ihm erzählt, sie sei von der anderen getreten worden. Als Zeugin sagt die Ehefrau das auch dem Gericht. Sie scheint davon auszugehen, dass ihr Mann und die Nachbarin zeitweise ein Verhältnis hatten. Die Nachbarin wiederum scheint in ihrem Leben schon mehrfach Gewalt erfahren zu haben. Wie zum Schutz behält sie im Gerichtssaal die dick wattierte Jacke an. Auch die Fotos, die Polizei und Krankenhaus von ihren Verletzungen gemacht haben, möchte sie nicht sehen. Die Bilder, befindet der rechtsmedizinische Gutachter könnten für ein Drosseln mit Gürtel sprechen. Wie stark es war, kann er nicht sagen. Im Bericht der Klinik steht kein Wort zu dem Thema – und die Polizei hat keinen Gürtel sichergestellt.

Von Katja Schmidt

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