Kokain-Prozess: Amtsgericht sieht dringenden Tatverdacht für Raub und sexuelle Nötigung

Aus dem Gerichtssaal in die U-Haft

Kassel. Für die Angeklagten im Prozess um entgleiste Kokain-Geschäfte endete der dritte Verhandlungstag hinter Gittern. Allerdings nicht weil am Amtsgericht in der Sache bereits ein Urteil gefallen wäre.

Sondern weil Richter Klaus Döll und die Schöffinnen am Dienstagabend Fluchtgefahr gegeben sahen und kurz nach 19 Uhr einen Haftbefehl gegen die drei Männer aus Dresden, Kassel und Homberg verkündeten.

Das Gericht hält die Männer inzwischen für dringend tatverdächtig, den 25-jährigen Nebenkläger im Mai 2011 schwer sexuell genötigt zu haben. Ebenso hält es den Dresdner für dringend tatverdächtig, dem 25-Jährigen bei den Vorgängen in dessen Wohnung einen Computer geraubt zu haben, während die beiden anderen Angeklagten Beihilfe leisteten. Hinzu kommen die Vorwürfe zu Kokain-Geschäften.

Die Staatsanwaltschaft hatte die in der Anklage geschilderte Quälerei, bei der dem 25-Jährigen ein Ende eines Baseballschlägers rektal eingeführt worden sein soll, zunächst als gefährliche Körperverletzung eingestuft. Am Dienstagnachmittag erteilte das Gericht dann auf Antrag von Staatsanwalt Klaus Ernst einen rechtlichen Hinweis, der auch eine schärfere strafrechtliche Einordnung im Urteil ermöglicht.

Der schwer kranke Nebenkläger war zuvor ein zweites Mal vernommen worden – diesmal zu dem Baseballschläger-Komplex. Er gab unter anderem an, seine Peiniger hätten die Wohnung an jenem Maitag mit den Worten verlassen: „Vergiss nicht, deine Schulden zu bezahlen.“ Nach eigenen Angaben hatte der ehemals selbst abhängige 25-Jährige bei dem Dresdner 10 000 Euro Schulden aus Kokain-Deals.

Die Angeklagten hatten während seiner Aussage den Saal verlassen müssen. Was drinnen zu hören war, fanden ihre Verteidiger dann alles andere als überzeugend. Sie konstatierten Widersprüche und Ungereimtheiten. Sie forderten diverse Gutachten. Vor allem zweifelten sie an, dass die Schilderungen des Nebenklägers auf tatsächlichem Erleben beruhen.

Der junge Mann selbst hat angegeben, ihm fehlten inzwischen viele Bilder zum fraglichen Maitag. Er berichtete auch, er verfüge über eine Kopie seiner polizeilichen Aussage. Die lese er, um das Geschehen zu verarbeiten.

Antrag auf Antrag der Verteidigung wurde zurückgewiesen. Auch der, das Verfahren ans Landgericht zu verweisen. Erst als Verteidiger Enrico Knaak beantragte, nun noch einen Zeugen zu hören, der den Homberger am fraglichen Maitag von 9 Uhr bis nach Mitternacht in einer Spielothek gesehen habe, machte das Gericht sich auf die Suche nach einem Fortsetzungstermin. Der ist nun für die erste Novemberwoche anberaumt - und der Zeuge wird geladen.

Von Katja Schmidt

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