Bahnhofsklos in Kassel: Ärger über die Wertbons

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Wertbon ist erst ab 2,50 Euro einlösbar: Talaj Ardita, Reinigungskraft in der Toiletten-Anlage im IC-Bahnhof, zeigt den WC-Wertbon über 50 Cent und ein Brötchen einer Bäckerei im Bahnhof, die den Wertbon akzeptiert.

Kassel. Immer wieder Ärger um das Bahnhofsklo: Nachdem die Toilette im IC-Bahnhof Wilhelmshöhe zuletzt defekt war, ist sie im Mai von der Firma Hering Bau gepachtet und saniert worden.

Mit der Marke „Rail&Fresh“ betreibt die Firma aus Burbach (Nordrhein-Westfalen) nun die Toilette im Wilhelmshöher Bahnhof sowie die WC-Anlage im Hauptbahnhof. Und das zu Konditionen, die viele Benutzer ärgern.Einen Euro kostet die Toilettenbenutzung. Dafür bekommt der Kunde einen Wertbon über 50 Cent. Das Prinzip kennen viele von den Toiletten auf Autobahnraststätten. Die Wertbons von „Rail&Fresh“ können allerdings erst ab einem Einkaufswert von mindestens 2,50 Euro und nur einzeln in den teilnehmenden Bahnhofsgeschäften eingelöst werden (Kamps, Segafredo, Currywurst-Express, Ihr Platz).

Die hohe Gebühr hat unter anderem Otto Knecht aus Bad Karlshafen geärgert. Er hat Ende Juni mit seiner Frau zweieinhalb Stunden am Bahnhof Wilhelmshöhe auf einen verspäteten ICE gewartet. „Da muss man nun mal wohin“, sagt der 84-Jährige. Drei Wertbons hatten er und seine Frau schließlich – um von den Gutschriften zu profitieren, hätten sie drei Artikel für jeweils mindestens 2,50 Euro kaufen müssen. „Das fällt doch unter die Rubrik Abzocke“, sagt der Rentner.

Talaj Ardita ist Reinigungskraft in der Toilette am IC-Bahnhof. Die 21-Jährige bekommt viele Beschwerden von den Kunden zu hören – nicht etwa wegen mangelnder Sauberkeit, sondern wegen der als zu teuer empfundenen Gebühr von einen Euro. „Dabei kann ich ja gar nichts dafür.“

Hört man sich vor der Bahnhofstoilette um, loben viele Reisende die Sauberkeit der Anlage. Die meisten empfinden den Preis von einem Euro aber als zu hoch. Einige wenden sich wieder ab, als sie sehen, was der Eintritt kostet.

„Das ist fürchterlich teuer“, findet auch Renate Bunse, 72, aus Scherfede (Warburg). Sie würde einen Preis von 50 Cent für angemessen halten. Den Wertbon an einen Mindesteinkaufspreis zu koppeln, sei „unverschämt“.

Die Frage, wieso der Bon an einen Mindesteinkaufswert gekoppelt ist und zu welchen Konditionen sich die Geschäfte beteiligen, beantwortete die Firma Hering Bau auf Anfrage nicht. „Das Wertbonsystem ist eine Vereinbarung zwischen der DB Station&Service AG, den Partnergeschäften und der Firma Hering Bau“, lautet die Auskunft.

Das System mit den Bons ist bereits von Autobahnraststätten bekannt. Die Firma „Sanifair“ verlangt dort für den WC-Besuch 70 Cent, dafür gibt es einen Bon über 50 Cent. Die Wertbons sind aber nicht an eine Mindestsumme gekoppelt und können auch gebündelt eingelöst werden.

Dieses System sei nicht vergleichbar, argumentiert Hering Bau. An den Tankstellen könnten Einnahmen und gewährte Rabatte aus einer Unternehmenskasse abgerechnet werden. KOMMENTAR

Von Katja Rudolph

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