Angeklagter soll illegal Metallabfälle abgezweigt und verkauft haben

Geschäfte mit Schrott

Kassel. Mit Schrott lässt sich gutes Geld verdienen. Mitunter werden zu diesem Zweck von findigen Dieben Dachrinnen abgeschraubt oder Denkmäler demontiert. Ein ehemaliger Mitarbeiter einer Kasseler Firma, die unter anderem Metallschläuche herstellt, soll zwischen 2007 und 2009 Produktionsabfälle zu Geld gemacht haben, deshalb sitzt er seit gestern auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Staatsanwalt Matthias Blosche musste eine lange Liste mit Daten und Tonnagen verlesen, demnach soll der Vater zweier Kinder hundert Mal illegale Schrottlieferungen organisiert und dafür rund 86 000 Euro kassiert haben.

Der Angeklagte hatte vor dem Prozess schriftlich erklärt, dass die Vorwürfe nicht zutreffen. Es sei lediglich richtig, so wiederholte er gestern, dass er auf dem Gelände seines damaligen Arbeitgebers Schrott auf eigene Rechnung angenommen und dann weiterverkauft hätte. Er habe einen Mann gekannt, der ihm solche Geschäfte angeboten und Schrott geliefert hätte. Sein Anteil am Weiterverkauf des Rohstoffs an eine Entsorgungsfirma seien 20 Cent pro Kilogramm Schrott gewesen. Lediglich ein Mal, so räumte er ein, habe er Material seines Arbeitgebers verschoben.

Das gestand er aber erst, als Kollegen eine von ihm angeordnete Lieferung mit Produktionsabfällen bei dem Abfallentsorger entdeckten, der gar keine Geschäftsbeziehungen zu der Firma hatte. Er habe damals Geld gebraucht, weil er drogenabhängig gewesen sei und bei seinem Dealer Schulden gehabt habe. Kurz nach dem Vorfall wurde er von dem Betrieb, in dem er fast 20 Jahre gearbeitet hatte, entlassen.

Ehemalige Kollegen berichteten als Zeugen, dass sie schon vor diesem Vorfall beobachtet hatten, dass der Angeklagte Schrott in dafür nicht vorgesehene Paletten gefüllt habe. Ein Mitarbeiter, der den 45-Jährigen darauf ansprach, bekam als Antwort, dass die dafür vorgesehenen Container voll seien, das habe dann nicht zugetroffen.

Der ominöse Mann, der als Geschäftspartner mit einem roten Lkw den Schrott angeliefert haben soll, von dem der Angeklagte aber nur den Vornamen nannte, konnte bisher nicht aufgetrieben werden. Es existieren allerdings detaillierte Listen über die Fahrzeuge, die im besagten Zeitraum Lieferungen auf das Betriebsgelände brachten. Die Listen sollen nun ausgewertet werden. Weil das nicht nur eine Geduldsübung ist, sondern auch Zeit in Anspruch nimmt, sind zwei weitere Fortsetzungstermine für den 4. und 25. Februar anberaumt worden. (pas)

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