Herbstumfrage der Handwerkskammer

Geschäftsklima kühlt ab: Sorge um den Nachwuchs

Die heiße Konjunktur im Handwerk kühlt ab: Im Baugewerbe fehlen öffentliche Aufträge, weil viele verschuldete Schutzschirm-Kommunen kaum noch investieren dürfen. Fleischer (rechts) und Bäcker sind aber noch sehr zufrieden. Foto: dpa

Kassel. Herbstumfrage der Handwerkskammer Kassel: Die große Mehrheit der Handwerksbetriebe in der Region ist noch zufrieden. Dennoch kühlt die heiße Konjunktur etwas ab.

„Wir sind aber mit der Gesamtsituation nach wie vor zufrieden“, sagt Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel. Es gebe „keinen Grund zur Panik“ und auch kein „Jammertal“. Und es gibt nach Erkenntnissen der Kammer auch keine Entlassungen.

„Wir sind stolz, dass die Mitarbeiterzahlen konstant sind“, sagt die Kasseler Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann. Bevor ein Handwerksmeister einen Mitarbeiter nach Hause schicke, „spart er lieber bei sich selbst.“ Positive Einstellung, Herz und Verantwortung seien die Stärken des Handwerks.

Wie im besonders starken Herbstquartal 2013 sehen auch diesmal 85,5 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Allerdings sind die Gut-Meldungen von 44,9 Prozent (2013) auf aktuell 33,8 Prozent deutlich zurückgegangen. Ähnlich sieht es bei der Erwartungshaltung für das vierte Quartal 2014 aus: 34,3 (2013: 40,1) Prozent der Betriebe erwarten gute Geschäfte, 52,4 (2013: 44,8) Prozent befriedigende Geschäfte.

Der leichte Abwärtstrend trifft vor allem das Ausbaugewerbe, die Zulieferer für die Industrie und das Kraftfahrzeug-Gewerbe. Bäcker und Fleischer hingegen sind sehr zufrieden. Im Bauhauptgewerbe laufe der private Wohnungsbau ordentlich, der gewerbliche Bau stagniere und öffentliche Aufträge blieben aus. Das Handwerk bekomme zu spüren, dass verschuldete Kommunen, die unter dem Finanz-Schutzschirm des Landes Hessen stehen, kaum noch Geld für Investitionen hätten, erklärt Gringel.

Sorge um den Nachwuchs 

Große Sorge bereitet den Handwerkern der Nachwuchsmangel. Erstmals habe es im Sommer dieses Jahres mehr Studienanfänger als Auszubildende im Handwerk gegeben. Bundesweit seien 20.000 Lehrstellen unbesetzt. Viele Studienanfänger würden „für die Arbeitslosigkeit studieren, und wir brauchen dringend junge Menschen“, mahnt der Handwerkspräsident: „Wir brauchen mehr Meister und nicht mehr Master.“

Von Jörg Steinbach

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