Geschäftsleute sehen Umbau der Goethestraße mit gemischten Gefühlen

Geht neue Wege: Fahrradhändler Rudi Edelmann will mit Ausstellungen und Aktionen auf sein Geschäft aufmerksam machen.

Vorderer Westen. Bauzäune, wohin man schaut: Seit zwei Wochen ist die Goethestraße Baustelle und nur noch eingeschränkt befahrbar. Die Vorarbeiten zum Umbau der Verbindungsachse im Vorderen Westen haben begonnen.

Die Geschäftsleute tragen es mit Fassung und hoffen, dass sie die lange Bauzeit gut überstehen. Dass die Goethestraße umgestaltet wird und eine Promenade zum Flanieren erhält, werten sie als Gewinn.

„Es wird mit Sicherheit hinterher schön aussehen“, sagt Bernd Trageser. „Nur der Weg dahin ist für uns nicht so schön.“ Seit neun Jahren betreibt er an der Goethestraße einen Tennisladen. Noch könnten die Kunden über die Querallee in die Goethestraße fahren, Parkplätze stünden auch noch zur Verfügung, sagt er. „Das ist ein Vorteil. Aber wenn die weg sind, wird es etwas enger.“

Die Südseite der Goethestraße, auf der auch das ehemalige Finanzamt steht, wird bis Herbst 2012 umgebaut, dann folgt die Nordseite mit dem Restaurant Boccaccio. „Wir haben treue Gäste“, sagt Geschäftsführer Salvatore La Rocca. Im Moment sei es wegen der Urlaubszeit sowieso etwas ruhiger. „Schwieriger wird’s, wenn sie die ganze Straße zumachen. Ausgerechnet zur documenta.“ Der Boccaccio-Wirt schaut deshalb mit Sorge ins nächste Jahr und denkt über Aktionen nach, damit das Restaurant nicht in Vergessenheit gerät.

Fahrradhändler Rudi Edelmann hat sich ebenfalls Gedanken gemacht: „Wenn der Kunde nicht zu uns kommen kann, gehen wir zum Kunden.“ Als Beispiel nennt der 56-Jährige eine Ausstellung mit Elektro-Bikes im Gesundheitszentrum an der Wilhelmshöher Allee. Eine Baustelle bringe immer Einschränkungen mit sich, sagt er. „Aber noch wissen wir nicht, was auf uns zukommt.“

Sabine Fuchs vom Schwälmer Brotladen an der Ecke Murhardstraße schätzt die Lage schon jetzt kritisch ein. So nähmen Anwohner wegen der Baustelle Kundenparkplätze in Beschlag. „Da haben sie schon verloren“, sagt die Inhaberin. Sorgen machten ihr auch Radfahrer, die über den Bürgersteig schössen. „Kunden, die zur Tür rauskommen, werden umgemöbelt“, klagt sie.

Hofft, dass die Kunden trotzdem kommen: Geschäftsfrau Anja Kroh.

Anja Kroh, die vor anderthalb Jahren ihr „Kasseler Kinderzimmer“ eröffnete, hofft, dass es nicht so schlimm wird. Schon jetzt klagten Kunden, ihr Geschäft sei schlecht erreichbar. Dass fast täglich ein anderer Abschnitt gesperrt sei und die Straßenbahn nicht mehr fahre, komme hinzu. „Mütter tragen ihre Babys nicht einen Kilometer weit“, sagt die Geschäftsfrau. Grundsätzlich sei die Umgestaltung aber „eine unglaubliche Bereicherung fürs Quartier“.

„Carpe Diem“-Inhaberin Manuela Freudenstein-Weinreich sieht das ähnlich. „Wir hoffen, dass wir alles gut überstehen und die Kunden weiterhin den Weg zu uns finden“, sagt sie. „Es ist eine lange Zeit. Mal sehen, wie es in einem Jahr aussieht.“ Noch seien die Arbeiten erträglich, hielten sich Schmutz und Lärm in Grenzen. „Wenn wir das erst mal überstanden haben, freuen wir uns.“

Von Ellen Schwaab

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