Der Soziologe Fabian Buder untersuchte das Einkaufsverhalten von Biokäufern

Am Geschmack hapert es

Witzenhausen / Kassel. Mangelnde Verfügbarkeit, kein Vertrauen in den Geschmack, hohe Preise oder ein anderes Aussehen. Das sind alles Gründe, warum überzeugte Biokäufer beim Einkaufen trotzdem oft bei Produkten mit konventioneller Qualität zugreifen.

„Allerdings wirken diese Kaufbarrieren bei jedem Produkt unterschiedlich“, fand Fabian Buder, Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing der Uni Kassel, heraus. Gerade bei Alkohol, Süßigkeiten und Fertigprodukten spiele zum Beispiel der Geschmack eine große Rolle. Im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung hat sich Buder die Kaufbarrieren näher angeschaut, um Händlern und Herstellern von Bioprodukten Empfehlungen für ihr Sortiment zu geben.

Zentrales Ergebnis seiner Studie: 90 Prozent der Einkäufer legen auch mal Bioprodukte in den Einkaufswagen, aber nur wenige greifen oft bei Bioprodukten zu. „Wir entdeckten eine klassische Verteilung: 17 Prozent der Haushalte machen 76 Prozent des Umsatzes bei biologisch angebauten Lebensmitteln aus.“

Buder wollte nun herausfinden, warum diese 17 Prozent dennoch öfter bei konventionellen Lebensmitteln zugreifen. Seine These: Die Auswahl an Bioprodukten ist nicht ideal. „So fehlt es beispielsweise an der bestimmten Sorte Tiefkühlpizza oder man vertraut dem Geschmack der Bio-Nuss-Nougat-Creme nicht“, sagt Buder. Der Soziologe empfiehlt deshalb den Herstellern von Bio-Produkten, sich im Geschmack und Aussehen mehr an konventionellen Produkten zu orientieren. Händler könnten mit Verkostungen versuchen, die geschmacklichen Barrieren abzubauen und ihr Sortiment erweitern. Denn vielen Kunden fehle es im Bioladen zum einen an frischen Produkten wie Fleisch, Fisch und Käse und zum anderen an Fertigprodukten.

„Gerade für kleinere Bioläden ist das wichtig, denn wenn ein Käufer seine gewünschten Produkte nicht bekommt, dann geht er woandershin“, sagt Buder.

Natürlich wollen auch Biokäufer günstig einkaufen. Buder setzt dabei auf einen psychologischen Trick: Er rät, im Bio-Sortiment die Packungen kleiner zu machen. „Die Leute kaufen lieber weniger zum gleichen Preis als mehr zum höheren Preis.“ Solche Marketingtricks seien absolut üblich. Wichtig dabei sei, dass die Preise transparent seien. „Die Leute sind nicht grundlegend dagegen, mehr zu bezahlen, wenn man es nur richtig erklärt.“

Buder selbst ist ein überzeugter Biokäufer. „Gerade durch meinen Beruf gehe ich natürlich etwas differenzierter einkaufen“, sagt er. Zudem müsse bio nicht gleich teuer bedeuten, betont er.

Von Diana Rissmann

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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