Zahl der Essen und Lieferpreise gestiegen

Diakonisches Werk Kassel erhöht Preise: Gesegnete Mahlzeit wird teurer

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Steak mit Nudelsalat: 15 bis 18 Mahlzeiten gibt Sabine Freund in der Ausgabestelle in der Südstadt täglich aus. Rolf Ebel nimmt das günstige Angebot regelmäßig in Anspruch.

Kassel. Ab Oktober erhöht das Diakonische Werk Kassel die Preise für die Gesegnete Mahlzeit von 1,50 Euro auf zwei Euro. Geschäftsführer Gerd Bechtel begründet die Preiserhöhung für die warme Mittagsmahlzeit damit, dass die Ausgabezahlen ständig steigen.

Zudem habe der Lieferant der Essen, die Baunataler Diakonie Kassel, wegen gestiegenem Aufwand und Personalkosten die Lieferpreise erhöht.

„Wir bedauern diesen Schritt sehr und wissen, dass die Erhöhung recht groß ist“, sagte Bechtel.

Finanziert wird die Gesegnete Mahlzeit über den Verkaufspreis und Spenden. Laut Barbara Koblitz, Leiterin der Abteilung Allgemeiner Sozialer Dienst, kostet die Diakonie ein Essen derzeit 3,75 Euro. Im vergangenen Jahr wurden 24.600 Essen ausgegeben, 700 mehr als 2010. In der ersten Hälfte dieses Jahres waren es 11.000.

So wurden die Essen im vergangenen Jahr finanziert: Etwa 40.000 Euro über die reguläre Bezahlung (1,50 Euro vergünstigt, 3,50 Euro für Vollzahler), 24 000 Euro an Spenden, die der Förderverein Gesegnete Mahlzeit gezielt für das Projekt eingeworben hat, und 32.000 Euro an kirchlichen Spenden (Kollekte und Diakonie-Sammlung). Hinzu kamen 5500 Euro an Einzelspenden.

Auf Spenden angewiesen

Da nur 40 Prozent der Kosten durch die Verkaufserlöse gedeckt werden können, muss der Rest, etwa 60.000 Euro, über Spenden finanziert werden. In diesem Jahr hat die Gesegnete Mahlzeit allerdings keine Option auf die Spenden aus Kollekten und aus der Diakonie-Sammlung, da diese im Wechsel jedes Jahr für andere Projekte bestimmt sind.

Laut Sabine Freund von der Südstadtgemeinde, die die Gesegnete Mahlzeit an der Frankfurter Straße ausgibt, stößt die Preiserhöhung bei vielen Bedürftigten auf Verständnis. „Die Menschen sehen selbst, dass das Leben teurer wird“, sagt sie. 15 bis 18 Mahlzeiten gibt sie pro Tag aus.

„Großer Batzen“

Jan B. sieht das anders. Mit seinen 900 Euro Rente im Monat kann er die Erhöhung zwar noch relativ gut verkraften. „Für andere sind 50 Cent aber ein großer Batzen“, sagt er. Im Verhältnis betrage die Erhöhung ein Drittel des jetzigen Preises. „Das passt doch nicht zum Begriff ,gesegnet‘“, sagt er. Im Grunde treffe es mal wieder die Ärmsten der Armen. Den Ein-Euro-Jobber Rolf Ebel (48) trifft die Erhöhung „ziemlich heftig“, wie er sagt.

Anderseits hat er Verständnis dafür, dass die Mahlzeiten auch finanziert werden müssen. Trotz der Preiserhöhung bleibt die Gesegnete Mahlzeit weiter auf Spenden angewiesen. Seit 2002 wurden laut Bechtel die Preise nicht erhöht. Er hofft, dass nach der jetzigen Erhöhung die Preise künftig stabil gehalten werden können. (mkx)

Von Mirko Konrad

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