Am Standort Kassel absolvieren regelmäßig 270 Soldaten eine Berufsausbildung

Gesellenjahre beim Bund

Soldat und Auszubildender: Unteroffizier Matthias Freukes macht eine Lehre zum Fluggerätmechaniker an der Training Academy von Eurocopter in Kassel. Foto: Janz

Kassel. Seit dem Sommer ist die Bundeswehr eine Freiwilligenarmee und muss um die Gunst junger Rekruten buhlen. Ein Argument, sich sogar für acht oder zwölf Jahre zu verpflichten, ist die Berufsausbildung, die Soldaten in Anspruch nehmen können.

In Kassel absolvieren regelmäßig 270 Unteroffiziere eine Lehre, mit der sie sich zugleich für das zivile Arbeitsleben qualifizieren.

Die Bundeswehrfachschule / Zivile Aus- und Weiterbildungsbetreuungsstelle (ZAW) Kassel kümmert sich um die Soldaten, die aus ganz Deutschland nach Kassel kommen. Daran wird sich auch nach der Umstrukturierung der Bundeswehr nichts ändern. Nach derzeitigen Plänen bleiben die Schule und voraussichtlich auch die ZAW-Stelle erhalten, sagt deren Leiter und Standortältester von Kassel, Hauptmann Heinrich Büchsenschütz: „Mit unseren guten Ausbildungspartnern sollte das auch so bleiben.“

In vier Berufen, in denen die Soldaten während ihres Dienstes bei der Bundeswehr auch arbeiten, können sie sich in Kassel qualifizieren: Neben Zimmerer und Pharmazeutisch-Technischem Assistenten stehen zwei Ausbildungen in der Luftfahrttechnik auf dem Programm. Die Firma Eurocopter betreibt auf dem Gelände der ehemaligen Lüttich-Kaserne als Ausbildungsdienstleister ihre Training Academy. Dort werden die Unteroffiziere als Fluggerätmechaniker und Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme geschult.

Lehre unter Volldampf

Statt der 42 Monate, die diese Lehre üblicherweise dauert, absolvieren sie sie in der Hälfte der Zeit und erhalten später sogar eine europäische Prüfbescheinigung, mit der sie Flugzeuge selbstständig warten dürfen. „Wir haben hier jeden Tag Volldampf Stoff“, sagt Ausbildungsleiter Rainer Hofmann von Eurocopter.

Trotz der verkürzten Ausbildung legen die Soldaten regelmäßig gute Prüfungen ab. „Wir haben fast 100 Prozent Erfolgsquote“, sagt Büchsenschütz. Das treffe auch auf die jährlich 70 Absolventen der Kasseler Meisterkurse zu, die für Soldaten angeboten werden, die zwölf Jahre dienen. Dank zusätzlicher Weiterbildungsangebote zum Ende der Dienstzeit sollten die Soldaten für das Zivilleben gerüstet sein. „Wer keine Stelle bekommt, ist selbst schuld“, sagt Büchsenschütz. Mit Fähigkeiten wie Personalführung, Disziplin und Teamwork seien sie begehrte Arbeitskräfte. Zudem verdienen die Unteroffiziere mit etwa 1500 Euro Sold pro Monat in ihrer Ausbildung etwa doppelt so viel wie ein vergleichbarer Lehrling.

Dafür müssen sie während ihrer Dienstzeit zumindest einmal für vier bis sechs Monate in einen Auslandseinsatz. Das schrecke viele ab, sagt Büchsenschütz, der mit seinem Stab dafür zuständig ist, dass die Auszubildenden während ihrer Zeit den militärischen Drill nicht verlernen, auch wenn sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren sollen. „Die Ausbildung hier soll natürlich der Bundeswehr dienen“, sagt Büchsenschütz, „aber eben auch jedem einzelnen Soldaten.“

Von Marcus Janz

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