25-Jähriger gab zu, Polizisten in Lebensgefahr gebracht zu haben

Kassel. „Wäre ich nicht zur Seite gesprungen, wäre ich wohl überfahren worden“, erinnerte sich der 37-jährige Beamte der Autobahnpolizeistation Baunatal vor dem Landgericht mit Schaudern an ein Erlebnis im November 2011.

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Zusammen mit einem Kollegen war er an jenem Abend wegen eines Dieseldiebstahls an der A 44 alarmiert worden. Bei der Suche nach den Tätern stießen die beiden auf einen Kleinbus, und der raste auf den 37-Jährigen zu. Der Fahrer war der 25-jährige Angeklagte, der vom Amtsgericht deswegen zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahre verurteilt worden war. Er hatte die Vorwürfe geleugnet und war in Berufung gegangen, weshalb sich nun das Landgericht mit der Sache befasste.

Am Dienstag spulte der Mann aus Weißrussland dieselbe Version wie in der ersten Instanz ab: Er sei mit Bekannten nach Deutschland gekommen, um ein gebrauchtes Auto in die Heimat zu bringen. Er sei krank gewesen, habe Medikamente genommen, oft geschlafen und vieles gar nicht mitbekommen. Ein Schlag an die Schulter habe ihn aus dem Schlaf gerissen, da stand ein Polizist vor ihm. „Ich hob die Hände und stieg aus.“

Der Polizist, der fast über den Haufen gefahren worden wäre, schilderte vor Gericht eine andere Version: Als er und sein Kollege den Kleinbus bemerkt hatten, habe er den Fahrer zum Aussteigen aufgefordert. „Auf einmal fuhr der Bus auf mich zu.“ Dem Zusammenprall entronnen, feuerte er mehrmals aus seiner Pistole auf die Reifen des davonrasenden Busses, der nicht weit kam. Als er mit zerschossenen Reifen hielt, flüchteten nach den Angaben des Beamten zwei oder drei Personen. Auf dem Fahrersitz habe der Angeklagte gesessen.

Der war vor dem Amtsgericht vom Vorwurf des Diebstahls freigesprochen worden, weil dies nicht nachweisbar war. Es blieben versuchte gefährliche Körperverletzung, ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte übrig. Kurz vor Ende des Prozesses am Landgericht lenkte der bisher nicht vorbestrafte 25-Jährige ein: „Es tut mir leid, ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um jemandem zu schaden, ich wurde da reingezogen.“ Seine Verteidigerin hatte zuvor die Berufung auf das Strafmaß beschränkt und eine Bewährungsstrafe verlangt. Doch das Gericht bestätigte das Urteil des Amtsgerichts. Damit sei er „reichlich gut weggekommen“, so der Vorsitzende Richter, der „keinerlei Anlass“ sah, die Strafe zu mildern. Eine Bewährung könne er unter anderem deshalb nicht vertreten, „weil wir nicht die Hände dafür ins Feuer legen können, dass es nicht zu weiteren Straftaten kommt“. (pas)

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