Landgericht verhandelt gegen vier Angeklagte

Geständnisse zu Marihuana-Import

Kassel. Telefonate können peinlich sein. Dann jedenfalls, wenn sie von der Polizei mitgeschnitten und vor Gericht verlesen werden. Vor dem Kasseler Landgericht, wo vier Angeklagte sich zur Zeit des bandenmäßigen Marihuanahandels in großen Kilogramm-Mengen verantworten müssen, werden am Donnerstag diverse solcher Telefonmitschriften verlesen.

In einer geht es um einen Streit um den Lohn für Kurierfahrten, bei denen die Droge taschenweise nach Deutschland gebracht wurde. Ein Angeklagter spricht dort über einen anderen und nennt ihn „Breitarsch“ - gleich drei- oder viermal in wenigen Sätzen. Als das Wort zum ersten Mal auftaucht, gehen leicht nervöse Blicke durch den Raum. Doch dann ist die Stimmung eher heiter.

Bei anderen Details sind sich die drei Männer und die Frau auf der Anklagebank weniger grün. Einer von ihnen ist in Untersuchungshaft. Mindestens zwei der anderen haben berichtet, von ihm für die Kurierfahrten angeworben worden zu sein oder dass er sie mit Hintermännern in Kontakt gebracht habe. Auch die Bezahlung soll über ihn geflossen sein. Der 32-Jährige selbst betont am Donnerstag, er habe alles nur im Auftrag eines Mannes getan, den die vier manchmal „Onkel“ nennen. Dessen Fahrt-Aufträge habe er weitergeben. Für den habe er Geld ausbezahlt.

Er selbst habe nicht fahren wollen, betont der 32-Jährige. Er habe gesagt: „Ich will eine kleine Menge Marihuana kriegen und hier in Kassel verkaufen.“ Die Fahrer, betont er, hätten alle auch direkt Kontakt zum Auftraggeber gehabt.

2000 Euro für eine Fahrt

Transportiert worden seien mal fünf mal zehn mal zwanzig Kilo, ergibt die Aussage der anderen drei. Die Lieferanten wurden in Belgien oder Holland getroffen, pro Fahrt konnte ein Alleinfahrer 2000 Euro bekommen, zwei je 1000 Euro - Mietkosten fürs Auto und Benzin hatten die Kuriere zu tragen.

Die angeklagte Frau erzählt, sie habe mit den Fahrten begonnen, als sie in Trennung lebte und Geld brauchte, weil ihr Auto kaputt war. Ein anderer Angeklagter berichtet, der 32-Jährige, ein Verwandter, habe ihn überredet nach Nordhessen zu ziehen und in einen Betrieb einzusteigen. Er habe den Goldschmuck seiner Frau verkauft und investiert. Kurz danach habe die Firma dichtgemacht - und die Frage der Kurierfahrten sei aufgekommen.

In einer Telefonmitschrift wird dieser Mann auf seiner letzten Kurierfahrt zitiert. Vor ihm sei die Polizei. Wenn die ihn kontrolliere, sei er „am Arsch“.

Von Katja Schmidt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.