Gestiegene Einsatzzahlen: Hessen braucht dringend Notfallsanitäter

Kassel/Wiesbaden. Mehr Einsätze, komplexere Aufgaben: Rettungsdienste in Hessen stehen vor beachtlichen Herausforderungen. Doch nicht immer ist dafür genügend qualifiziertes Personal vorhanden.

Das Sozialministerium in Wiesbaden schreibt in einer Antwort auf eine Anfrage zweier SPD-Abgeordneter, einzelnen Rettungsdiensten falle es gegenwärtig schwer, ausgeschriebene Personalstellen zu besetzen. Von einem flächendeckenden Mangel an Fachkräften und Nachwuchs will das Haus aber nichts wissen. Rettungsdienste sprechen von einem ausgedünnten Arbeitsmarkt.

Saskia Schimpf vom Landesverband Hessen der Johanniter-Unfall-Hilfe in Butzbach sagte: "Landesweit besteht in der Tat ein Fachkräftemangel. Dieser ist allerdings nicht auf mangelnden Nachwuchs zurückzuführen." Sie verweist auf gestiegene Einsatzzahlen in den vergangenen zwei Jahren.

Nach Angaben des Ministeriums gab es 2015 bei hessischen Rettungsdiensten 1181 Notärzte, 2584 Rettungsassistenten, 348 Notfallsanitäter und 1335 Rettungssanitäter. Die Gesamtzahl hat sich gegenüber 2014 kaum verändert. Dem Ministerium zufolge werden pro Jahr rund 300 neue Notfallsanitäter benötigt, um den Bedarf zu decken.

Auch das Haus von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) spricht von mehr Einsätzen, unter anderem wegen des demografischen Wandels. Es gebe etwa mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen, die sich auf Atmung und zentrales Nervensystem auswirken. Dadurch entstünden ständig mehr für den Rettungsdienst komplizierte Einsätze, die oft länger dauerten.

Der Notfallsanitäter ersetzt seit Januar 2014 den Rettungsassistenten. Wenn letztere sich weiterqualifizierten, fielen sie zunächst aus, erklärte Ohlig. Wie lange die Weiterbildung dauert, hängt von der Berufserfahrung des jeweiligen Rettungsassistenten ab. Die vorgeschriebenen Weiterbildungsstunden sind gestaffelt.

Am meisten Zeit müssen diejenigen investieren, die weniger als drei Jahre Praxis haben, bei ihnen sind es 960 Stunden. Dabei werde nur die Erfahrung vor dem 1. Januar 2014 angerechnet, sagte Ohlig. "Ein Tatbestand, der rational nicht erklärbar ist." Er geht davon aus, dass allein bei den DRK-Rettungsdiensten in Hessen jährlich zwischen 180 und 200 neue ausgebildete Notfallsanitäter notwendig sind. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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