Mediterrane Ernährung in Paracelsus-Elena-Klinik

Studie in Kassel: Gesunde Kost gegen Parkinson?

Guten Appetit: Diätassistentin Ursula Reuß (links) und Koch Tim Bauer (rechts) präsentieren mediterrane Gerichte, die seit Kurzem in der Elena-Klinik angeboten werden. Im Hintergrund stehen Chefärztin Claudia Trenkwalder und Oberärztin Brit Mollenhauer.
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Guten Appetit: Diätassistentin Ursula Reuß (links) und Koch Tim Bauer (rechts) präsentieren mediterrane Gerichte. Im Hintergrund stehen Chefärztin Claudia Trenkwalder und Oberärztin Brit Mollenhauer.

Hilft gesunde Ernährung gegen Parkinson? In der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel wird dazu geforscht. Dort steht seit Kurzem mediterrane Kost auf dem Speiseplan.

Kassel – Köstlich sieht es aus. Hier ein frischer gemischter Salat mit Basilikum-Dressing, da Hähnchenbrust mit Gnocchi in Tomatensoße Siciliana – nicht schlecht für eine Krankenhaus-Kantine. Die Paracelsus-Elena-Klinik bietet seit Kurzem mediterrane Küche an. Dabei geht es nicht nur darum, die Gaumen von Patienten und Mitarbeitern zu erfreuen. Die Ernährung aus dem Mittelmeerraum senkt das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung und verbessert den Verlauf der Erkrankung.

Zumindest wird dazu in dem Spezialkrankenhaus zur Behandlung von Parkinsonsyndromen geforscht. Chefärztin Prof. Dr. Claudia Trenkwalder sagt: „Sind wir ehrlich: Krankenhaus-Essen ist meist nicht lecker und nicht besonders gesund. Wir haben einfach umgestellt.“ Zumal erwiesen sei, dass mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse und pflanzlichen Ölen einen guten Einfluss auf den Körper nimmt.

Oberärztin Prof. Dr. Brit Mollenhauer, der Kopf des Forscherteams, geht ins Detail. Seit Jahren werde hier das Darm-Mikrobiom erforscht. Das ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt. Untersuchungen von Stuhlproben hätten gezeigt, dass bei Parkinson-Patienten eine bestimmte Art von Bakterien häufiger auftritt, erklärt die Neurologin. Diese Art „fresse“ die innere Schleimschicht des Darms, dadurch werde dieser löchrig, und Giftstoffe dringen in den Körper. „Wir sehen bei Parkinson eine Entzündung im Körper. Ich bin überzeugt, dass die Ursache dafür häufig im Darm liegt“, sagt Mollenhauer.

Diesen Zusammenhang will die Medizinerin beweisen. Das Prinzip klingt einleuchtend: Wer seinen Darm abdichtet, hat weniger Entzündungen. Mollenhauer drückt die Zielsetzung so aus: „Wie kriegen wir die guten Bakterien im Darm gefördert?“ Und an dieser Stelle käme die mediterrane Ernährung ins Spiel. Parkinson sei nicht heilbar, zudem sei es schwierig, Medikamente zu entwickeln, die die Krankheit stoppen beziehungsweise verlangsamen: „Mit Essen kann mal viel erreichen. Da setzen wir hier in der Elena-Klinik an“, sagt Mollenhauer.

Es verwundert nicht, dass die neuen Gerichte auf dem Speiseplan gut ankommen – bei Mitarbeitern und Patienten. Mehr als die Hälfte entschieden sich für die südländische Kost, sagt Ursula Reuß, die Diätassistentin im Harleshäuser Krankenhaus. Mit dem diätisch geschulten Koch Tim Bauer hat sie Rezepte ausgearbeitet, die für Großküchen umsetzbar sind. Der Koch selbst freut sich über die Abwechslung. Dass er sich auch mal etwas kreativer austoben könne.

Das übliche Essen gibt es weiterhin. Gezwungen werde niemand, sagt Bauer, der sich vornehmlich um die mediterrane Variante kümmert. Wenig Fleisch, reich an Ballaststoffen, besonders beliebt seien Farfalle mit Pesto und Kürbis. Mit gesunder und zugleich leckerer Nahrung gegen Parkinson.

Chefärztin Trenkwalder hofft, dass Patienten wie Mitarbeiter das Ganze als Anstoß nehmen, ihren gesamten „Lifestyle“ zu9 ändern, wie sie sagt. Medizinische Erkenntnisse mit der Praxis im Alltag verknüpfen, und wenn dadurch dem Parkinson vorgebeugt werde – umso besser.

Bei mindestens einem Patienten hat es schon funktioniert. Mollenhauer berichtet von einem 86-Jährigen, der von dem Essen so begeistert war, dass er sämtliche Gerichte fotografiert habe, damit seine Frau die Speisen nachkochen kann. Die Gattin sei glücklich gewesen, erzählt die Oberärztin. Jahrelang hätte sie versucht, ihren Mann von gesundem Essen zu überzeugen. Mollenhauer sagt: „Es ist nie zu spät, die Ernährung umzustellen.“ (Robin Lipke)

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