Jede fünfte Brustkrebspatientin hat eine genetische Veranlagung

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Erschreckende Zahlen: 75 000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs

Im Land gibt es im Deutschen Konsortium 18 universitäre Zentren, die sich schwerpunktmäßig der Erkrankung annehmen.

Erschreckende Zahlen: 75 000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs, etwa 8000 an Eierstockkrebs. Das Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs der Uni-Medizin Göttingen (UMG) zählt dazu. Dessen Einzugsbereich ist riesig, reicht von Südniedersachsen bis in den Großraum Kassel nach Nordhessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. 

Die Ursache ist selten klar zu bestimmen. Aber: Etwa ein Fünftel aller erkrankten Frauen, also rund 16 000, haben eine genetische Veränderung, so auch in den BRCA-Genen (Breast-Cancer-Genen). Sie können an die Kinder vererbt werden. In diesen Familien sind Krebserkrankungen häufiger, ziehen sich manchmal über Generationen durch die Familienhistorie – und der Krebs bricht bei den Kindern oftmals auch schon im frühen Alter aus. 

Der Schritt, als Mutter nach einer Brustkrebserkrankung, eine Gen-Untersuchung zu wagen, fällt nicht leicht. Angst vor einer fürchterlichen Wahrheit, die das Leben der Familie belastet, verhindert bei vielen den Gen-Check. Das Gesundheitsportal der HNA informiert Sie über nützliche Gesundheitstipps und Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Beschwerden und Therapien. Auch die Suche nach dem passenden Arzt oder Klinik in Wohnortnähe ist dank des Portals ein Kinderspiel. 

„Es ist ein großer Schritt, den die Frauen gehen“, sagt Andrea Hahne vom Verein BRCA-Netzwerk, der Aufklärungsarbeit zum familiären Brust- und Eierstockkrebs durch erblich bedingte Gen-Veränderung macht sowie mit dem Deutschen Konsortium zusammenarbeitet und Kontakte zu Selbsthilfegruppen hält. 

Dass es weiter Beratungsbedarf gibt, bestätigen die Zahlen: Im Göttinger Uni-Klinikum entscheiden sich von 300 bis 400 Patienten etwa die Hälfte für einen Gen-Test – trotz prominenter Beispiele, voran Schauspielerin Angelina Jolie, die sich – nach dem Test – beide Brüste vorbeugend entfernen und rekonstruieren ließ, auch dank einer modernen Chirurgie, die dabei enorme Entwicklungsfortschritte gemacht hat. Im Göttinger Uni-Klinikum hat man sich nicht nur dem Thema BRCA-Genveränderungen mit Erkennung und Behandlung samt Prophylaxe und Beratung verschrieben. 

Man schaut dabei auch über die UMG hinaus: Für Prof. Dr. Joachim Lotz, Direktor des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, ist es besonders wichtig, die Frauen- und Hausärzte mit ins Boot zu bekommen, bei ihnen „das Bewusstsein für eine Beratung und die Vermittlung an das 2014 gegründete UMG-Zentrum zu schaffen“. Gleiches gilt auch für die Krankenkassen, Dr. Adelgund Emons, bis 2018 Zentrumskoordinatorin an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, fordert, dass die Prophylaxe unbedingt bezahlt werden müsse – was allerdings leider noch Wunschvorstellung ist. 

Deshalb suchen die Mitwirkenden in der UMG und des BRCA-Netzwerkes auch die Öffentlichkeit. Geholfen hat dabei eine eindrucksvolle Ausstellung, die auch auf den Fluren der Uni-Klinik zu sehen war: „Ansichtssache“ zeigte Porträts von 17 betroffenen Frauen. Tamara Pribaten fotografierte die Frauen meist nackt – auch mit Brustamputationen und -rekonstruktionen. Die Frauen wollen ein Zeichen setzen, zeigen, welches Wissen heute um die besondere Erkrankung und Ursache vorhanden ist – und was man prophylaktisch tun kann. Die Fotos sollen demonstrieren: Diese Frauen sind stark, sie treffen Entscheidungen. 

In Göttingen spannte sich die niedersächsische Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) vor den Karren. Sie betont, dass das Thema enorm wichtig ist, aber leider nur selten so wie bei der Ausstellung im Fokus stehe. Andretta bewundert die Frauen, die mit ihren intimen Porträts für den Umgang mit der Krebserkrankung werben. 

Die Bedeutung einer DNA-Untersuchung zeigt ein Beispiel von einer an Brustkrebs erkrankten Mutter und Tochter. Die Tochter wurde prophylaktisch behandelt, wurde schwanger. Heute sind die junge Mutter und ihr Kind seit drei Jahren wohlauf. „Das ist ein echter Mutmacher, bekräftigt Dr. Adelgund Emons – sowohl für das Besiegen einer heimtückischen Krankheit als auch dafür, sich im Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der UMG gentechnisch untersuchen zu lassen. (tko) 

Weitere Gesundheitsthemen finden Sie auf: www.gesundheit-sucht-arzt.de 

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