Stadt Kassel wusste nichts von Prozess und Schulden

Affäre um neuen Klinik-Chef: Honsel stand wegen Betrugs vor Gericht

Neuer Chef des nordhessischen Krankenhauskonzerns: Karsten Honsel

Kassel. Brisante Einzelheiten über den neuen Klinik-Chef, Karsten Honsel, kommen jetzt ans Licht: Es geht um 75. Mio Euro Schulden am Klinikum Hannover und um Sozialbetrug.

Um Karsten Honsel – neuer Chef des nordhessischen Krankenhauskonzerns – ist eine Affäre entstanden: Es geht um seine berufliche Vergangenheit. Dies betrifft auch die Zukunft der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH).

Der kommunale Klinikverbund in Hannover - Honsel soll dort auf SPD-Ticket gelandet sein - hatte sich im Juni 2013 vorzeitig von seinem langjährigen Finanzchef Honsel getrennt: Er hatte im Klinikum Hannover ein Millionendefizit hinterlassen. Bis zum Jahr 2016 muss die Region Hannover 75 Millionen Euro zuschießen, um das Klinikum vor einer Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Zudem hatte die Staatsanwaltschaft 2011 Honsel und drei weitere Vorstandsmitglieder angeklagt, Scheinselbstständige im Krankentransportdienst beschäftigt zu haben. Durch den Trick soll das Klinikum 500.000 Euro Krankenkassen- und Sozialversicherungsbeiträge gespart haben. „Das gab's noch nie in Deutschland: Staatsanwalt klagt ganzen Klinik-Vorstand an“, titelte die Bild-Zeitung damals. Das Verfahren wegen Sozialbetrugs am Landgericht Hildesheim wurde am 15. Mai dieses Jahres gegen eine Zahlung von 25.000 Euro eingestellt.

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) hatte erst über die HNA-Anfrage von dem Gerichtsprozess erfahren und daraufhin ein „ernstes Wort“ mit dem beauftragten Personalberater geredet. An der Entscheidung für Honsel ändere dies aber nichts, sagt Hilgen. Der neue GNH-Chef habe die Gründe für die schwierige Lage der kommunalen Kliniken in Hannover und für den Prozess wegen Sozialbetruges überzeugend erklären können. Der Klinikmanager sei die richtige Wahl für die GNH: „Wir trauen ihm zu, dass er das schafft.“

Der Aufsichtsrat hatte dem Vernehmen nach einstimmig für Honsel votiert. Einige Aufsichtsratsmitglieder dürften aber von Defizit und Gerichtsverfahren nichts gewusst haben.

Von Jörg Steinbach

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