Fragen und Antworten

Nach Sontheimer-Streit: Gesundheit Nordhessen bekommt Vorstandschef

Klinikum Kassel aus der Luft: Das Krankenhaus der Maximalversorgung am Möncheberg ist das Flaggschiff des kommunalen Gesundheitskonzerns GNH. Archivfotos: Schachtschneider / Charterflug Knabe, privat

Kassel. Am Mittwoch wird der Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) aller Voraussicht nach den neuen Vorstandschef bestimmen. Dazu beantworten wir wichtige Fragen.

Er folgt Dr. Gerhard M. Sontheimer nach, dessen Vertrag nach zehn Jahren nicht mehr verlängert worden war.

Dem Vernehmen nach gab es mehrere höchst qualifizierte Bewerber für den Job. Wen genau der Oberbürgermeister am Mittwoch den 20 Aufsichtsräten als Kandidat für den künftigen GNH-Chefposten präsentieren wird, ist nicht bekannt geworden. Nur eine kleine Findungskommission weiß bisher über die Bewerber und den ins Auge gefassten Kandidaten Bescheid, mit dem der Oberbürgermeister auch schon Vertragsverhandlungen geführt haben soll.

Die Frage ist, wie rasch der Neue seinen jetzigen Arbeitsvertrag beenden und nach Kassel kommen kann. Hilgen will eine lange Vakanz auf dem Chefposten vermeiden. Spätestens zum Sommer muss der Neue antreten. Kommt er früher, könnte Sontheimer früher gehen.

Wichtige Fragen und Antworten

Warum muss GNH-Vorstandschef Dr. Gerhard M. Sontheimer gehen?

Weil er im Aufsichtsrat nicht für eine nächste Dienstzeit wiedergewählt wurde. Sein Vertrag endet mit Ablauf des Monats März 2015.

Warum gab es im Aufsichtsrat kein Vertrauen mehr für Sontheimer?

Der Spitzenmanager war wirtschaftlich brillant, aber wegen sozialer Defizite lange Zeit umstritten. Er hat zwar stets schwarze Zahlen abgeliefert, beachtete aber zu wenig die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter und hatte mehrere hervorragende leitende Ärzte vor den Kopf gestoßen, die daraufhin das Klinikum Kassel verließen.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wollten Sontheimer loswerden. Das Ziel hatte auch der Landrat des Landkreises Kassel. Uwe Schmidt (SPD) haderte damit, dass Sontheimer die Schließung der defizitären Kreisklinik Karlshafen-Helmarshausen und der Geburtshilfe im Krankenhaus Wolfhagen durchgesetzt hatte.

Aber hatte sich nicht der Aufsichtsratsvorsitzende und Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) für Sontheimer ausgesprochen?

Kaiser hatte die massive Front im Aufsichtsrat gegen Sontheimer falsch eingeschätzt und nicht gehandelt. Inzwischen hört man auch von manchen Sontheimer-Gegnern, dass es falsch war, den Vertrag des Spitzenmannes nicht verlängert zu haben. Aber das war nicht mehr auszubügeln. Kaiser dankte als Aufsichtsratschef ab, Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) übernahm den Job und machte sich auf die Suche nach einem neuen GNH-Chef.

Viele andere Krankenhäuser verdienen doch auch kein Geld. Warum ist es so wichtig, dass der Kasseler Klinikkonzern schwarze Zahlen schreibt?

Stadt und Landkreis Kassel sind hoch verschuldet, stehen unter dem Finanz-Schutzschirm des Landes Hessen, müssen Kosten verringern und Einnahmen erhöhen. Wenn das Kasseler Klinikum und damit der Konzern ins Defizit rutschen, dürfen weder Stadt noch Kreis das nötige Geld zuschießen. Dann müssten die Krankenhäuser an private Klinikkonzerne verkauft werden.

Na und? Dann käme doch bei Stadt und Kreis Geld in die Kasse und damit könnten Schulden getilgt werden.

Für Krankenhäuser, die in den roten Zahlen stecken, bekommt man so gut wie nichts. Noch dazu würden Stadt und Kreis auf den hohen Schulden für die Klinikum-Neubauten sitzen bleiben. Abschreckendes Beispiel ist das städtische Klinikum Offenbach, das 2013 wegen hoher Defizite für einen symbolischen Euro an den Sana-Konzern verkauft werden musste. Die Stadt Offenbach blieb auf Schulden von über 300 Millionen Euro sitzen.

Aber nach einem Verkauf würden die Krankenhäuser doch unter privater Regie weitergeführt?

Das lässt sich nicht sicher sagen. Private Klinikkonzerne sind gewinnorientiert und nicht der Daseinsvorsorge verpflichtet, wie sie kommunale Kliniken verfolgen. Es könnte also passieren, dass die Krankenhäuser in Hofgeismar, Wolfhagen oder Bad Arolsen aus Kostengründen geschlossen würden. Auch im Klinikum Kassel könnte es zur Schließung von Abteilungen oder Entlassungen kommen, wenn ein privater Konzern so seine anderen Klinik-Standorte stärken kann.

Von Jörg Steinbach und Claas Michaelis

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